Auf Lanzarote

Diesmal hatte ich wirklich Mühe, mich zum Schreiben eines Berichtes zu motivieren. Nicht etwa, weil es hier nichts zu berichten gäbe, aber hier ist (fast) immer schönes, warmes Wetter und das lockt mich immer wieder an die frische Luft. Dafür ist der vorliegende Bericht nun aber recht ausführlich geworden…

Alte Masten mitten in modernen Riggs.

Seit über 2 Monaten liegen wir nun schon in der modernen Marina Lanzarote in Arrecife. Die Inselhauptstadt hat rund 59‘000 Einwohnern und eine sehr gute Infrastruktur. Mit ein bisschen herumfragen bekommt man hier wirklich fast alles. Auch hier haben wir wieder viele interessante und hilfsbereite Menschen kennengelernt und verbringen manchen Abend diskutierend und plaudernd mit ihnen. Etwas getrübt wird das Leben in der Marina von den häufig anlegenden Kreuzfahrtschiffen. Gestern lagen tatsächlich vier! dieser Ozeanriesen im Hafen. Dann herrscht auf der Hafenmole ein reges Kommen und Gehen und es ist besser, das Stadtzentrum zu meiden.

Eines der vielen Kreuzfahrtschiffe.

 

Auf Grund des letzten Berichtes ist euch sicher klar, dass an der Alunga wieder einmal einige Arbeiten anstanden bzw. anstehen. Am Dringlichsten war die Behebung des Leckes des Motorkühlkreislaufes.

Der Motor hängt für die Reparatur an der Decke.

Da Walti besser zu den defekten Teilen kam und er so auch die Möglichkeit hatte den Motorraum mal wieder gründlich zu reinigen, baute Walti den Motor kurzerhand aus. Mit Hilfe der vorsorglich im Motorraum installierten Laufkatze wurde er an die Decke gehoben und dort gut gesichert.

Die defekte Wasserpumpe.

Leider stellte sich heraus, dass die Wasserpumpe nicht zu reparieren ist, sondern dass eine neue bestellt werden muss. Bis alle Teile eingetroffen und wieder montiert waren, dauerte es ganze 4 Wochen…

Daneben plante Walti die Abänderung des Heckträgers damit die Windfahnensteuerung auch auf Vorwindkurs benutzt werden kann. Ein zusätzlicher Autopilot auf das Hauptruder soll auch noch eingebaut werden. Neu sollen Solarzellen unsere Energiebilanz verbessern und damit das längere Ankern ausserhalb einer Marina ermöglichen… Von einer englischen Seglerin habe ich die Bezeichnung „Blue Works“ für diese von Walti zu erledigenden Arbeiten übernommen.

Weit weniger spektakulär, aber nicht weniger wichtig sind die von mir zu erledigenden „Pink Works“: Auch die letzte Winsch hat ein neues Cover bekommen und dasselbe ist für die an Deck stehenden Kanister geplant.  Daneben fungiere ich immer wieder als allzeit bereite Handlangerin für den Blue Worker, habe neben diesem Bericht einen Artikel für die Andelfinger Zeitung geschrieben, erledige den Schiffshaushalt, den Einkauf, bin für das leibliche Wohl der Crew und das regelmässige Bewegen und Beschäftigen von Gip zuständig.

Gip auf dem Agility Kurs.

Wir haben hier in Arrecife sogar einen kleinen Agility Parcours gefunden, den wir regelmässig besuchen. Für zwei Runden ist Gip mit Begeisterung dabei. Dann ist er der Meinung, dass er mir gezeigt hat, dass er alle Hindernisse noch ohne Schwierigkeiten bewältigt und ich doch besser selber mal durch den Ring springen soll ….

Ganz bewusst habe ich meinen Bericht mit der Beschreibung der zu erledigenden Arbeiten begonnen. Ihr sollt ja nicht den Eindruck bekommen, dass unsere Reise eine endlose Folge von Ferientagen ist! Aber keine Angst: unsere Zeit hier in Arrecife besteht nicht nur aus Arbeit! Natürlich erkundigen wir auch diese eindrückliche Insel und nehmen an den örtlichen Festen teil.

Bereits am ersten hier verbrachten Wochenende fand das Fest zu Ehren der Virgen de los Dolores, eines der grössten Volksfeste auf Lanzarote, statt. Wie die meisten Feste hier, hat auch dieses einen religiösen Ursprung. Gemäss der Überlieferung versprachen der Pfarrer von Mancha Blanca während den grossen Vulkanausbrüchen Anfang des 18. Jahrhundert eine Kirche zu errichten, wenn der Ort von den Lavaströmen verschont bliebe. Tatsächlich stoppte der Lavastrom kurz vor der Ortschaft und diesem Ereignis wird nun alljährlich am 15. September gedacht. Aus allen Teilen von Lanzarote wandern Menschengruppen in Trachten und begleitet von abenteuerlich aussehenden Wagen viele Kilometer zu der, der Virgen de los Dolores geweihten Kirche. Sie musizieren oder tanzen vor der Heiligenfigur, die vor der Kirche aufgestellt wurde und bringen Lebensmittel mit, die gesammelt und an die Bedürftigen verteilt werden. Uns erinnerte das Ganze an eine Mischung von Trachtenfest und Zunftumzug an Sechseläuten.

Ansonsten ist es für uns nicht ganz einfach die Insel zu entdecken, da wir mit Gip die Inselbusse leider nicht benutzen können. So blieben wir in der ersten Zeit in Velodistanz rund um Arrecife. Eine der Velotouren führte uns in die beeindruckende Fundación César Manrique. Der bekannte Maler, Bildhauer, Architekt und Designer hat auf der Insel unübersehbare Spuren hinterlassen. In seinem ehemaligen Wohnhaus sind viele seiner Werke ausgestellt. Aber auch das ungewöhnliche Haus an sich ist sehenswert. Ein Teil der unterirdisch liegenden Salons wurden in Lavablasen hineingebaut.

Für den Rückweg schlug ich einen Umweg über San Bartolomé vor. Dieser Weg stellte uns vor eine sportliche Herausforderung, da es immer wieder recht steil bergauf ging. Da Walti auf dem Rückweg keinen Umweg mehr fahren wollte, wählten wir für die Talfahrt nach Arrecife eine vierspurige Schnellstrasse. Offensichtlich sind die Einwohner von Lanzarote an wagemutige Touristen gewöhnt, denn sie wichen ohne zu hupen oder andere eindeutige Handzeichen aus.

Als uns Mitte November Iris und Markus besuchten, weiteten wir unseren Radius aus. Per Mietauto machten wir die Insel unsicher und besuchten viele Sehenswürdigkeiten, von denen ich euch hier einige beschreiben möchte.

Iris und Markus bewundern den Kakteengarten.

Sehr gut gefallen hat es uns im Jardin des Cactus. Als letzte Arbeit hat Manrique über 1400 Kaktusarten im weiten Kessel eines ehemaligen Steinbruches gesammelt. Über der gelungenen Anlage thront eine restaurierte Gofiomühle (Maismehl).

 

In der mystischen Höhlenwelt der Jameos del Agua.

Die Höhlenanlage von Jameos del Agua entstand durch grosse Einbrüche in der Lavadecke. Bis in die 1960er Jahre entsorgten die Bauern dort ihren Abfall. Erst Manrique sorgte dafür, dass sie gereinigt wurden und machte daraus ein bezauberndes Kunstwerk. Durch einen breiten, mit tropischen Pflanzen bewachsenen Trichter steigt man zu einem durch die Beleuchtung fast mystisch wirkenden Salzsee hinab. Auf dessen Grund kann man unzählige weisse Minikrebse beobachten.

 

Der Eingang zum Mirador del Rio.

Nach einem Abstecher nach Òrzola, dem nördlichsten Dorf Lanzarotes und einem Mittagessen in einer Tapas Bar ging es in die Höhe. Auf einer fast schweizerisch anmutenden Passstrasse erreichten wir den ebenfalls von Manrique gestalteten Mirador del Rio. Hier hatten wir eine grandiose Aussicht auf die Wasserstrasse zwischen Lanzarote und der vorgelagerten Insel La Graciosa.

 

Die wunderschöne Aussicht vom Mirador del Rio.

 

Ganz besonders eindrücklich war die Tour in den Timanfaya Nationalpark. Wenn man sieht, wie lebensfeindlich und karg sich diese Landschaft auch fast 300 Jahre nach den grossen Vulkanausbrüchen noch präsentiert, möchte man sich die Katastrophe, die sich 1730 – 1736 hier abspielte und die ehemals grüne Insel nachhaltig verändert hat, nicht vorstellen. Die dramatisch erstarrte Landschaft raubt einem buchstäblich den Atem. Irgendwie wirkt sie fast ausserirdisch. Es hat uns nicht überrascht, als wir im Radio gehört haben, dass Astronauten im Tifanaya Nationalpark das Überleben auf dem Mars trainieren!

Unter dem Besucherzentrum Islote del Hilario herrscht auch heute noch eine grosse Hitze. Im Restaurant werden Hähnchen und Steaks nur mit der aufsteigenden Hitze gegrillt! Rund 400° soll es bereits in 6 m Tiefe sein.

 

Die raue Küste von El Golfo.

Weitere Ausflüge führten uns ins schön gelegene El Golfo mit seinem, von einer Algen Art grün eingefärbten Salzsee, die Saline von Janubio und Playa Blanca.

Die Saline Janubio.

Immer wieder haben wir uns aber auch gemeinsam mit Iris und Markus von all den Eindrücken auf der Alunga erholt und gemütliche Stunden beim Plaudern verbracht oder bummelten durch Arrecife. Es war sehr schön mal wieder Besuch aus der Heimat zu haben und Walti bekam auch mal wieder seinen geliebten Wurst-Käse  Salat.

Die originelle Etikette des hiesigen Wassers.

 

Eine lustige Bemerkung noch am Rande: wir kaufen das Trinkwasser hier in 5 oder 8 Liter Kanistern. Es kommt von den Kanaren, aber auf dem Etikett wirbt die Firma doch tatsächlich mit dem Matterhorn und dem Prädikat „Los Alpes“!

 

 

 

 

Waltis neues Hobby.

 

 

Auch Waltis neues Hobby möchte ich euch nicht vorenthalten: er übt sich im Kitesurfen!

 

 

 

 

Und wie geht es nun weiter? Erst einmal geniessen wir die Adventszeit hier und müssen die begonnen Arbeiten beenden. Wenn Waltis Schwester Marlene Anfang Januar zu Besuch kommt, möchten wir gerne in den Süden von Lanzarote dislozieren und dann Ende Januar Helen und Hansueli, die in der Zwischenzeit mit ihrer Dada Tux auch auf den Kanaren angekommen sind, auf Teneriffa treffen…. Soweit also unsere Planung….

Lavasand statt Tannengrün auf dem Adventsteller.

Wir wünschen allen eine schöne Adventszeit!

 

 

4 Gedanken zu „Auf Lanzarote“

  1. Salü miteinander,
    irgendwann wird sich der Ostwind drehen und wir werden nach Gomera ärgerlich. Danach nach Santa Cruz de Tenerife um euch wieder mal zu sehen.
    Erst werden mal vermutlich am Sonntag Anne und Mark hier hin nach La Restinga / El Hierro segeln.
    Lieber Gruss Hansueli und Helen

  2. Hoi zäme
    Einmal mehr ein super Bericht.
    E ist trotz Schnee sofort 2 Grad wärmer in Nürensdorf!
    Bitte mach ein Video wenn Walti den ersten Looping dreht.
    Vielen Dank und eine schöne Adventszeit wünschen
    Martha und Thomas

  3. Hoi zäme. Es ist schön eure Reiseberichte zu lesen. Vor allem in der Winterzeit, wenn wir unsere Zeit in der Schweiz verbringen, verfolgt uns das Fernweh. Aber schon im Mai werden wir wieder nach Nordamerika gehen, und uns in unserem 5th Wheeler an der wunderschönen Landschaft erfreuen.
    Also passt auf euch auf, geniesst jeden einzelnen Tag, und wer weiss vielleicht trifft man sich irgendwo an der Westküste Canadas oder der USA. Grüsse aus der Schweiz

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