Die Überfahrt

Lange hatten wir hin und her überlegt, wie unsere Reise von Rabat aus weitergehen soll. Gip zu liebe hatten wir ja geplant in Tagesetappen der marokkanischen Küste entlang bis Agadir zu segeln. Die Informationen, die wir über die dazwischen liegenden Häfen erhielten, waren sehr widersprüchlich und ungenau. Zudem schien vor Essouira oft ein Starkwindgebiet zu liegen, das das Einlaufen in diesen Hafen zusätzlich erschweren würde. Aus diesen Gründen entschlossen wir uns, die ca. 500 Seemeilen, die uns noch von Lanzarote trennten, in einem Stück zurück zu legen. Immer wieder wurde mit anderen Seglern diskutiert und Wetterkarten studiert. Als die Wetterprognose vermuten liess, dass wir die kommenden vier Tage nie mehr als 25 Knoten Wind zu erwarten hatten, starteten wir zu diesem bislang längsten Schlag.

Die Alunga am Steg vor dem Zollbüro.

Zuerst mussten wir allerdings noch am Ponton vor der Zollstation anlegen und ausklarieren. Das lief so ab: Mit allen Papieren und Pässen ins Zollbüro. Der füllte ein Formular aus und schickte mich ins Polizeibüro. Dieser wiederum kontrollierte die Pässe, stempelte das Formular und schickte mich zurück ins Zollbüro Der Beamte dort kontrollierte, ob das Formular ordnungsgemäss gestempelt war und stempelte schliesslich unsere Pässe… brachte mich zur Alunga zurück und übergab mir unsere Papiere und Pässe. Alle Beamten waren sehr freundlich und die Angelegenheit war in nicht mal einer halben Stunde erledig und wir konnten wie geplant um kurz vor 17 Uhr ablegen. Wir hatten für die Strecke 4 ½ Tage voranschlagt und da wir gerne bei Tageslicht in einen neuen Hafen einlaufen, hatten wir uns für diese Startzeit entschieden.

 

 

Nicole und Daniel durften vom Motorboot aus unsere Ausfahrt filmen.

 

Wieder wurden wir vom Motorboot der Marina sicher durch die Hafenausfahrt gelotst. Freundlicherweise durften Nicole und Daniel mit dem Motorboot mitfahren und konnten einige wirklich gute Fotos und kurze Filme von unserer Ausfahrt aus Rabat machen.

Die Dünung in der Hafenausfahrt war wirklich heftig.

Die Dünung, die uns bereits in der Hafenausfahrt heftig auf- und niederschaukelte, liess für die offene See nichts Gutes erwarten. Und so kam es denn auch: anfänglich nur wenig Wind, aber heftige Dünung. Ich wurde prompt für meinen Übermut bestraft. Da ich während den letzten Passagen – trotz teilweise heftiger Dünung – auch ohne Medikamente nie mehr unter Seekrankheit gelitten hatte, hatte ich nichts eingenommen und bereits nach einer Stunde unterwegs war mir entsetzlich schlecht und ich musste mich mehrmals heftig übergeben. Obwohl mir Walti sofort ein Scopodermpflaster auf den Rücken klebte, litt ich die ersten beiden Tage heftig. Ich konnte praktisch nichts essen und hatte ganz fürchterliche Magenschmerzen vom Würgen. Glücklicherweise kam mir in den Sinn, dass Tanja mir mal Molke Pulver gebracht hatte und so konnte ich mich wenigstens flüssig ernähren. So war ich doch wenigstens in der Lage, alle meine Wachen zu gehen. Das war auch dringend nötig. Bereits am ersten Morgen stand Walti nach einer Motorraumkontrolle beim Niedergang, sah mich ernst an und sagte: „Monika, wir haben ein Problem.“ Es befand sich eine grössere Menge Salzwasser im Motorraum und bei dem Geschaukel konnte Walti nicht sofort erkennen, was der Grund dafür war.

Leider kann auch das Video nicht wirklich zeigen, wie ruppig es zuging.

Glücklicherweise hatte der Wind in der Zwischenzeit zugenommen und wir konnten auf den Motor verzichten. Nur mit der Genua ging es recht zügig voran. Walti stellte fest, dass die Kühlwasserpumpe leckte und wir den Motor wohl nur noch für das Anlegemanöver brauchen können. Der Wind nahm stetig zu und erreichte gute 20 Knoten, in Böen bis 30 Knoten und wir rauschten mit 7 – 8 Knoten Fahrt den Kanarischen Inseln entgegen. Leider kam der Autopilot mit dem achterlichen Wind und der hohen Dünung gar nicht zurecht und so mussten wir von Hand steuern. Bei diesen Windverhältnissen war Konzentration gefragt und das Ganze war eine Kräfte zehrende Angelegenheit. Wir wechselten uns im 3 Stunden Rhythmus ab. Am dritten Tag ging es mir endlich etwas besser und ich sah wieder wie schön das Meer ist.

Sieht doch sehr friedlich aus.

Wir kamen so gut vorwärts, dass wir bereits ausrechneten, dass wir am vierten Tag bereits am Morgen des vierten Tages in Lanzarote ankommen werden. Aber zu früh gefreut: in der vierten Nacht nahm der Wind kontinuierlich ab und schlief gegen Mitternacht dann ganz ein. Uns blieb nichts anderes übrig, als das schlagende Segel einzurollen und uns schlafen zu legen.

Unser Schlafplatz auf See.

Ich verkroch mich in unser gemütliches Nest auf dem Salonboden, während Walti es sich im Cockpit bequem machte. Als ich nach 3 Stunden aufwachte, stellte ich erfreut fest, dass wir wieder segelten! Langsam zwar, aber es ging wieder vorwärts! Auch die Dünung war an diesem Tag endlich etwas gnädiger und schüttelte uns nicht mehr ganz so durch. Walti war nicht untätig gewesen und hatte den Motorraum leer gepumpt und versucht das Leck mit Baukleber etwas abzudichten. Als wir merkten, dass wir es bei der Geschwindigkeit von knapp 4 Knoten nicht bei Tageslicht in den Hafen schaffen würden, wagten wir es den Motor anzuwerfen und die letzten 30 Meilen wieder „motorsegelnd“ zurück zu legen. Alle 1 ½ Stunden musste Walti ca. 4 Liter Wasser aus dem Motorraum pumpen.

Endlich tauchte Lanzarote im Dunst auf.

Wo blieb bloss die Insel? Nach unserer Meinung hätten wir sie doch schon lange sehen müssen. War das ein gutes Gefühl, als sie endlich aus dem Dunst auftauchte! Da wir bereits von Rabat aus einen Platz reserviert und unser Kommen noch vor der Hafeneinfahrt per Funk angekündigt hatten, wurden wir bereits am Steg erwartet. Um 19.15 Uhr machten wir müde, aber zufrieden und glücklich, die Leinen in der Marina Arrecife fest.

 

Sehr glücklich sieht Gip ja nicht aus.

 

Wie war es Gip ergangen? Anfänglich litt er wohl auch ein wenig unter Seekrankheit, denn er setzte sich immer mal wieder auf und schluckte leer. Aber schon bald legte er sich wieder hin und verschlief die Tage. Immer mal wieder machte Walti mit ihm eine Runde an Deck und animierte ihn zum Pinkeln. Allerdings klappte dies erst nach ca. 24 Stunden. Während den vier Tagen hat er 3 Mal gepinkelt und zum ersten Mal auch einen Haufen aufs Deck gesetzt. Er kann immer noch nicht verstehen, warum wir ihn dafür derart überschwänglich loben. Er hat aber immer gefressen und auch ein paar Mal Wasser getrunken. Segeln ist aber definitiv nicht sein Sport!

 

Und nun ratet mal, wer nur eine Woche nach uns auf Lanzarote ankam…. Nicole und Daniel konnten ein Schwachwind-Fenster ausnutzen und sind mit ihrem Trimaran nun auch in Arrecife!

 

Auch Nicole und Daniel sind auf Lanzarote angekommen.

Seit wir im Mai Cherbourg verlassen haben, haben wir laut Logbuch über 1678 Seemeilen (also über 3000 Kilometer) zurück gelegt, haben an 18 Orten festgemacht oder geankert und unzählige nette Menschen kennen gelernt. Unser Fazit: Segeln ist wirklich eine teure Art unbequem zu reisen! Aber trotzdem: das Leben auf der Alunga möchten wir auf keinen Fall missen! Segeln ist auch für uns mehr ein notwendiges Übel um von A nach B zu kommen. Wie es nun weitergehen wird, wissen wir noch nicht genau. Im Moment ist es sowieso eher schwierig in den Marinas einen Liegeplatz zu erhalten, da überall die Teilnehmer für die Transatlantik-Regatten eintreffen. Allein hier von Arrecife aus starten 3 Regatten in die Karibik oder nach Brasilien! Wir wollen uns aber genügend Zeit nehmen um die verschiedenen Inseln der Kanaren zu erkunden. Auf keinen Fall werden wir diesen Winter den Atlantik überqueren. Da ja auch wieder Reparaturen und Verbesserungen anstehen, werden wir erst einmal 3 Monate hier in Arrecife bleiben und Lanzarote auch auf dem Landweg erkunden.

Arrecife, ein hübsches kleines Städtchen.

3 Gedanken zu „Die Überfahrt“

  1. Liebe Monika, lieber Walti
    Jetzt haben wir Euch im Internet gefunden – was für ein schönes Schiff Ihr gebaut habt. Als wir Euch mal am Bauplatz besucht haben – da wollten wir nicht glauben dass Ihr mal ins Wasser kommt… Hut ab!
    Es ist spannend zu lesen was Ihr so erlebt – z.B. die Ausfahrt von Culatra mit dem Schwell, da mussten wir schmunzeln, uns ging es auch so. Weiter alles Gute von Regula und Hartmut von der Sol. (inzwischen sind wir ohne Mast und Segel unterwegs)

  2. Hallo zusammen
    Bestimmt könnt ihr euch erinnern…. Walti machte seine 1000ste Meile, für mich war es der erste Törn: Palma de Mallorca – Palma de Mallorca. Wir rundeten Ibiza. 2010 war das, glaube ich. Das Schiff hiess Enjoy oder oder so, eine Bavaria. Der Skipper hiess Berger. Später habt ihr noch ein Crewtreffen bei euch gemacht und habt uns euer Schiff gezeigt…..
    Warum schreibe ich das?
    Nun, seid ihr unterwegs seid, schaue ich ab und zu wo ihr seid und was ihr gerade so treibt, nur gelegentlich, nicht oft.
    Der Zufall wollte es und brachte mich Ende August auf einen 2 wöchigen Törn von La Coruna nach Bilbao. In Gijon habe ich einen Segler kennen gelernt, der weiter auf die Kanaren und im Dezember in die Karibik fährt. Der Zufall wollte es, dass er einen Platz frei hatte und ich die Zeit dafür mit zu gehen. Gesagt getan. Also fliege ich jetzt, Anfang November, nach Las Palmas um bei ihm einzuchecken und mit ihm zusammen über den Atlantik zu segeln….
    Und Ihr? Seid zur gleichen Zeit auf der Nachbarinsel Lanzarote….welch ein schöner Zufall 😉
    Liebe Grüsse
    Michael

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