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Auf Lanzarote

Diesmal hatte ich wirklich Mühe, mich zum Schreiben eines Berichtes zu motivieren. Nicht etwa, weil es hier nichts zu berichten gäbe, aber hier ist (fast) immer schönes, warmes Wetter und das lockt mich immer wieder an die frische Luft. Dafür ist der vorliegende Bericht nun aber recht ausführlich geworden…

Alte Masten mitten in modernen Riggs.

Seit über 2 Monaten liegen wir nun schon in der modernen Marina Lanzarote in Arrecife. Die Inselhauptstadt hat rund 59‘000 Einwohnern und eine sehr gute Infrastruktur. Mit ein bisschen herumfragen bekommt man hier wirklich fast alles. Auch hier haben wir wieder viele interessante und hilfsbereite Menschen kennengelernt und verbringen manchen Abend diskutierend und plaudernd mit ihnen. Etwas getrübt wird das Leben in der Marina von den häufig anlegenden Kreuzfahrtschiffen. Gestern lagen tatsächlich vier! dieser Ozeanriesen im Hafen. Dann herrscht auf der Hafenmole ein reges Kommen und Gehen und es ist besser, das Stadtzentrum zu meiden.

Eines der vielen Kreuzfahrtschiffe.

 

Auf Grund des letzten Berichtes ist euch sicher klar, dass an der Alunga wieder einmal einige Arbeiten anstanden bzw. anstehen. Am Dringlichsten war die Behebung des Leckes des Motorkühlkreislaufes.

Der Motor hängt für die Reparatur an der Decke.

Da Walti besser zu den defekten Teilen kam und er so auch die Möglichkeit hatte den Motorraum mal wieder gründlich zu reinigen, baute Walti den Motor kurzerhand aus. Mit Hilfe der vorsorglich im Motorraum installierten Laufkatze wurde er an die Decke gehoben und dort gut gesichert.

Die defekte Wasserpumpe.

Leider stellte sich heraus, dass die Wasserpumpe nicht zu reparieren ist, sondern dass eine neue bestellt werden muss. Bis alle Teile eingetroffen und wieder montiert waren, dauerte es ganze 4 Wochen…

Daneben plante Walti die Abänderung des Heckträgers damit die Windfahnensteuerung auch auf Vorwindkurs benutzt werden kann. Ein zusätzlicher Autopilot auf das Hauptruder soll auch noch eingebaut werden. Neu sollen Solarzellen unsere Energiebilanz verbessern und damit das längere Ankern ausserhalb einer Marina ermöglichen… Von einer englischen Seglerin habe ich die Bezeichnung „Blue Works“ für diese von Walti zu erledigenden Arbeiten übernommen.

Weit weniger spektakulär, aber nicht weniger wichtig sind die von mir zu erledigenden „Pink Works“: Auch die letzte Winsch hat ein neues Cover bekommen und dasselbe ist für die an Deck stehenden Kanister geplant.  Daneben fungiere ich immer wieder als allzeit bereite Handlangerin für den Blue Worker, habe neben diesem Bericht einen Artikel für die Andelfinger Zeitung geschrieben, erledige den Schiffshaushalt, den Einkauf, bin für das leibliche Wohl der Crew und das regelmässige Bewegen und Beschäftigen von Gip zuständig.

Gip auf dem Agility Kurs.

Wir haben hier in Arrecife sogar einen kleinen Agility Parcours gefunden, den wir regelmässig besuchen. Für zwei Runden ist Gip mit Begeisterung dabei. Dann ist er der Meinung, dass er mir gezeigt hat, dass er alle Hindernisse noch ohne Schwierigkeiten bewältigt und ich doch besser selber mal durch den Ring springen soll ….

Ganz bewusst habe ich meinen Bericht mit der Beschreibung der zu erledigenden Arbeiten begonnen. Ihr sollt ja nicht den Eindruck bekommen, dass unsere Reise eine endlose Folge von Ferientagen ist! Aber keine Angst: unsere Zeit hier in Arrecife besteht nicht nur aus Arbeit! Natürlich erkundigen wir auch diese eindrückliche Insel und nehmen an den örtlichen Festen teil.

Bereits am ersten hier verbrachten Wochenende fand das Fest zu Ehren der Virgen de los Dolores, eines der grössten Volksfeste auf Lanzarote, statt. Wie die meisten Feste hier, hat auch dieses einen religiösen Ursprung. Gemäss der Überlieferung versprachen der Pfarrer von Mancha Blanca während den grossen Vulkanausbrüchen Anfang des 18. Jahrhundert eine Kirche zu errichten, wenn der Ort von den Lavaströmen verschont bliebe. Tatsächlich stoppte der Lavastrom kurz vor der Ortschaft und diesem Ereignis wird nun alljährlich am 15. September gedacht. Aus allen Teilen von Lanzarote wandern Menschengruppen in Trachten und begleitet von abenteuerlich aussehenden Wagen viele Kilometer zu der, der Virgen de los Dolores geweihten Kirche. Sie musizieren oder tanzen vor der Heiligenfigur, die vor der Kirche aufgestellt wurde und bringen Lebensmittel mit, die gesammelt und an die Bedürftigen verteilt werden. Uns erinnerte das Ganze an eine Mischung von Trachtenfest und Zunftumzug an Sechseläuten.

Ansonsten ist es für uns nicht ganz einfach die Insel zu entdecken, da wir mit Gip die Inselbusse leider nicht benutzen können. So blieben wir in der ersten Zeit in Velodistanz rund um Arrecife. Eine der Velotouren führte uns in die beeindruckende Fundación César Manrique. Der bekannte Maler, Bildhauer, Architekt und Designer hat auf der Insel unübersehbare Spuren hinterlassen. In seinem ehemaligen Wohnhaus sind viele seiner Werke ausgestellt. Aber auch das ungewöhnliche Haus an sich ist sehenswert. Ein Teil der unterirdisch liegenden Salons wurden in Lavablasen hineingebaut.

Für den Rückweg schlug ich einen Umweg über San Bartolomé vor. Dieser Weg stellte uns vor eine sportliche Herausforderung, da es immer wieder recht steil bergauf ging. Da Walti auf dem Rückweg keinen Umweg mehr fahren wollte, wählten wir für die Talfahrt nach Arrecife eine vierspurige Schnellstrasse. Offensichtlich sind die Einwohner von Lanzarote an wagemutige Touristen gewöhnt, denn sie wichen ohne zu hupen oder andere eindeutige Handzeichen aus.

Als uns Mitte November Iris und Markus besuchten, weiteten wir unseren Radius aus. Per Mietauto machten wir die Insel unsicher und besuchten viele Sehenswürdigkeiten, von denen ich euch hier einige beschreiben möchte.

Iris und Markus bewundern den Kakteengarten.

Sehr gut gefallen hat es uns im Jardin des Cactus. Als letzte Arbeit hat Manrique über 1400 Kaktusarten im weiten Kessel eines ehemaligen Steinbruches gesammelt. Über der gelungenen Anlage thront eine restaurierte Gofiomühle (Maismehl).

 

In der mystischen Höhlenwelt der Jameos del Agua.

Die Höhlenanlage von Jameos del Agua entstand durch grosse Einbrüche in der Lavadecke. Bis in die 1960er Jahre entsorgten die Bauern dort ihren Abfall. Erst Manrique sorgte dafür, dass sie gereinigt wurden und machte daraus ein bezauberndes Kunstwerk. Durch einen breiten, mit tropischen Pflanzen bewachsenen Trichter steigt man zu einem durch die Beleuchtung fast mystisch wirkenden Salzsee hinab. Auf dessen Grund kann man unzählige weisse Minikrebse beobachten.

 

Der Eingang zum Mirador del Rio.

Nach einem Abstecher nach Òrzola, dem nördlichsten Dorf Lanzarotes und einem Mittagessen in einer Tapas Bar ging es in die Höhe. Auf einer fast schweizerisch anmutenden Passstrasse erreichten wir den ebenfalls von Manrique gestalteten Mirador del Rio. Hier hatten wir eine grandiose Aussicht auf die Wasserstrasse zwischen Lanzarote und der vorgelagerten Insel La Graciosa.

 

Die wunderschöne Aussicht vom Mirador del Rio.

 

Ganz besonders eindrücklich war die Tour in den Timanfaya Nationalpark. Wenn man sieht, wie lebensfeindlich und karg sich diese Landschaft auch fast 300 Jahre nach den grossen Vulkanausbrüchen noch präsentiert, möchte man sich die Katastrophe, die sich 1730 – 1736 hier abspielte und die ehemals grüne Insel nachhaltig verändert hat, nicht vorstellen. Die dramatisch erstarrte Landschaft raubt einem buchstäblich den Atem. Irgendwie wirkt sie fast ausserirdisch. Es hat uns nicht überrascht, als wir im Radio gehört haben, dass Astronauten im Tifanaya Nationalpark das Überleben auf dem Mars trainieren!

Unter dem Besucherzentrum Islote del Hilario herrscht auch heute noch eine grosse Hitze. Im Restaurant werden Hähnchen und Steaks nur mit der aufsteigenden Hitze gegrillt! Rund 400° soll es bereits in 6 m Tiefe sein.

 

Die raue Küste von El Golfo.

Weitere Ausflüge führten uns ins schön gelegene El Golfo mit seinem, von einer Algen Art grün eingefärbten Salzsee, die Saline von Janubio und Playa Blanca.

Die Saline Janubio.

Immer wieder haben wir uns aber auch gemeinsam mit Iris und Markus von all den Eindrücken auf der Alunga erholt und gemütliche Stunden beim Plaudern verbracht oder bummelten durch Arrecife. Es war sehr schön mal wieder Besuch aus der Heimat zu haben und Walti bekam auch mal wieder seinen geliebten Wurst-Käse  Salat.

Die originelle Etikette des hiesigen Wassers.

 

Eine lustige Bemerkung noch am Rande: wir kaufen das Trinkwasser hier in 5 oder 8 Liter Kanistern. Es kommt von den Kanaren, aber auf dem Etikett wirbt die Firma doch tatsächlich mit dem Matterhorn und dem Prädikat „Los Alpes“!

 

 

 

 

Waltis neues Hobby.

 

 

Auch Waltis neues Hobby möchte ich euch nicht vorenthalten: er übt sich im Kitesurfen!

 

 

 

 

Und wie geht es nun weiter? Erst einmal geniessen wir die Adventszeit hier und müssen die begonnen Arbeiten beenden. Wenn Waltis Schwester Marlene Anfang Januar zu Besuch kommt, möchten wir gerne in den Süden von Lanzarote dislozieren und dann Ende Januar Helen und Hansueli, die in der Zwischenzeit mit ihrer Dada Tux auch auf den Kanaren angekommen sind, auf Teneriffa treffen…. Soweit also unsere Planung….

Lavasand statt Tannengrün auf dem Adventsteller.

Wir wünschen allen eine schöne Adventszeit!

 

 

Die Überfahrt

Lange hatten wir hin und her überlegt, wie unsere Reise von Rabat aus weitergehen soll. Gip zu liebe hatten wir ja geplant in Tagesetappen der marokkanischen Küste entlang bis Agadir zu segeln. Die Informationen, die wir über die dazwischen liegenden Häfen erhielten, waren sehr widersprüchlich und ungenau. Zudem schien vor Essouira oft ein Starkwindgebiet zu liegen, das das Einlaufen in diesen Hafen zusätzlich erschweren würde. Aus diesen Gründen entschlossen wir uns, die ca. 500 Seemeilen, die uns noch von Lanzarote trennten, in einem Stück zurück zu legen. Immer wieder wurde mit anderen Seglern diskutiert und Wetterkarten studiert. Als die Wetterprognose vermuten liess, dass wir die kommenden vier Tage nie mehr als 25 Knoten Wind zu erwarten hatten, starteten wir zu diesem bislang längsten Schlag.

Die Alunga am Steg vor dem Zollbüro.

Zuerst mussten wir allerdings noch am Ponton vor der Zollstation anlegen und ausklarieren. Das lief so ab: Mit allen Papieren und Pässen ins Zollbüro. Der füllte ein Formular aus und schickte mich ins Polizeibüro. Dieser wiederum kontrollierte die Pässe, stempelte das Formular und schickte mich zurück ins Zollbüro Der Beamte dort kontrollierte, ob das Formular ordnungsgemäss gestempelt war und stempelte schliesslich unsere Pässe… brachte mich zur Alunga zurück und übergab mir unsere Papiere und Pässe. Alle Beamten waren sehr freundlich und die Angelegenheit war in nicht mal einer halben Stunde erledig und wir konnten wie geplant um kurz vor 17 Uhr ablegen. Wir hatten für die Strecke 4 ½ Tage voranschlagt und da wir gerne bei Tageslicht in einen neuen Hafen einlaufen, hatten wir uns für diese Startzeit entschieden.

 

 

Nicole und Daniel durften vom Motorboot aus unsere Ausfahrt filmen.

 

Wieder wurden wir vom Motorboot der Marina sicher durch die Hafenausfahrt gelotst. Freundlicherweise durften Nicole und Daniel mit dem Motorboot mitfahren und konnten einige wirklich gute Fotos und kurze Filme von unserer Ausfahrt aus Rabat machen.

Die Dünung in der Hafenausfahrt war wirklich heftig.

Die Dünung, die uns bereits in der Hafenausfahrt heftig auf- und niederschaukelte, liess für die offene See nichts Gutes erwarten. Und so kam es denn auch: anfänglich nur wenig Wind, aber heftige Dünung. Ich wurde prompt für meinen Übermut bestraft. Da ich während den letzten Passagen – trotz teilweise heftiger Dünung – auch ohne Medikamente nie mehr unter Seekrankheit gelitten hatte, hatte ich nichts eingenommen und bereits nach einer Stunde unterwegs war mir entsetzlich schlecht und ich musste mich mehrmals heftig übergeben. Obwohl mir Walti sofort ein Scopodermpflaster auf den Rücken klebte, litt ich die ersten beiden Tage heftig. Ich konnte praktisch nichts essen und hatte ganz fürchterliche Magenschmerzen vom Würgen. Glücklicherweise kam mir in den Sinn, dass Tanja mir mal Molke Pulver gebracht hatte und so konnte ich mich wenigstens flüssig ernähren. So war ich doch wenigstens in der Lage, alle meine Wachen zu gehen. Das war auch dringend nötig. Bereits am ersten Morgen stand Walti nach einer Motorraumkontrolle beim Niedergang, sah mich ernst an und sagte: „Monika, wir haben ein Problem.“ Es befand sich eine grössere Menge Salzwasser im Motorraum und bei dem Geschaukel konnte Walti nicht sofort erkennen, was der Grund dafür war.

Leider kann auch das Video nicht wirklich zeigen, wie ruppig es zuging.

Glücklicherweise hatte der Wind in der Zwischenzeit zugenommen und wir konnten auf den Motor verzichten. Nur mit der Genua ging es recht zügig voran. Walti stellte fest, dass die Kühlwasserpumpe leckte und wir den Motor wohl nur noch für das Anlegemanöver brauchen können. Der Wind nahm stetig zu und erreichte gute 20 Knoten, in Böen bis 30 Knoten und wir rauschten mit 7 – 8 Knoten Fahrt den Kanarischen Inseln entgegen. Leider kam der Autopilot mit dem achterlichen Wind und der hohen Dünung gar nicht zurecht und so mussten wir von Hand steuern. Bei diesen Windverhältnissen war Konzentration gefragt und das Ganze war eine Kräfte zehrende Angelegenheit. Wir wechselten uns im 3 Stunden Rhythmus ab. Am dritten Tag ging es mir endlich etwas besser und ich sah wieder wie schön das Meer ist.

Sieht doch sehr friedlich aus.

Wir kamen so gut vorwärts, dass wir bereits ausrechneten, dass wir am vierten Tag bereits am Morgen des vierten Tages in Lanzarote ankommen werden. Aber zu früh gefreut: in der vierten Nacht nahm der Wind kontinuierlich ab und schlief gegen Mitternacht dann ganz ein. Uns blieb nichts anderes übrig, als das schlagende Segel einzurollen und uns schlafen zu legen.

Unser Schlafplatz auf See.

Ich verkroch mich in unser gemütliches Nest auf dem Salonboden, während Walti es sich im Cockpit bequem machte. Als ich nach 3 Stunden aufwachte, stellte ich erfreut fest, dass wir wieder segelten! Langsam zwar, aber es ging wieder vorwärts! Auch die Dünung war an diesem Tag endlich etwas gnädiger und schüttelte uns nicht mehr ganz so durch. Walti war nicht untätig gewesen und hatte den Motorraum leer gepumpt und versucht das Leck mit Baukleber etwas abzudichten. Als wir merkten, dass wir es bei der Geschwindigkeit von knapp 4 Knoten nicht bei Tageslicht in den Hafen schaffen würden, wagten wir es den Motor anzuwerfen und die letzten 30 Meilen wieder „motorsegelnd“ zurück zu legen. Alle 1 ½ Stunden musste Walti ca. 4 Liter Wasser aus dem Motorraum pumpen.

Endlich tauchte Lanzarote im Dunst auf.

Wo blieb bloss die Insel? Nach unserer Meinung hätten wir sie doch schon lange sehen müssen. War das ein gutes Gefühl, als sie endlich aus dem Dunst auftauchte! Da wir bereits von Rabat aus einen Platz reserviert und unser Kommen noch vor der Hafeneinfahrt per Funk angekündigt hatten, wurden wir bereits am Steg erwartet. Um 19.15 Uhr machten wir müde, aber zufrieden und glücklich, die Leinen in der Marina Arrecife fest.

 

Sehr glücklich sieht Gip ja nicht aus.

 

Wie war es Gip ergangen? Anfänglich litt er wohl auch ein wenig unter Seekrankheit, denn er setzte sich immer mal wieder auf und schluckte leer. Aber schon bald legte er sich wieder hin und verschlief die Tage. Immer mal wieder machte Walti mit ihm eine Runde an Deck und animierte ihn zum Pinkeln. Allerdings klappte dies erst nach ca. 24 Stunden. Während den vier Tagen hat er 3 Mal gepinkelt und zum ersten Mal auch einen Haufen aufs Deck gesetzt. Er kann immer noch nicht verstehen, warum wir ihn dafür derart überschwänglich loben. Er hat aber immer gefressen und auch ein paar Mal Wasser getrunken. Segeln ist aber definitiv nicht sein Sport!

 

Und nun ratet mal, wer nur eine Woche nach uns auf Lanzarote ankam…. Nicole und Daniel konnten ein Schwachwind-Fenster ausnutzen und sind mit ihrem Trimaran nun auch in Arrecife!

 

Auch Nicole und Daniel sind auf Lanzarote angekommen.

Seit wir im Mai Cherbourg verlassen haben, haben wir laut Logbuch über 1678 Seemeilen (also über 3000 Kilometer) zurück gelegt, haben an 18 Orten festgemacht oder geankert und unzählige nette Menschen kennen gelernt. Unser Fazit: Segeln ist wirklich eine teure Art unbequem zu reisen! Aber trotzdem: das Leben auf der Alunga möchten wir auf keinen Fall missen! Segeln ist auch für uns mehr ein notwendiges Übel um von A nach B zu kommen. Wie es nun weitergehen wird, wissen wir noch nicht genau. Im Moment ist es sowieso eher schwierig in den Marinas einen Liegeplatz zu erhalten, da überall die Teilnehmer für die Transatlantik-Regatten eintreffen. Allein hier von Arrecife aus starten 3 Regatten in die Karibik oder nach Brasilien! Wir wollen uns aber genügend Zeit nehmen um die verschiedenen Inseln der Kanaren zu erkunden. Auf keinen Fall werden wir diesen Winter den Atlantik überqueren. Da ja auch wieder Reparaturen und Verbesserungen anstehen, werden wir erst einmal 3 Monate hier in Arrecife bleiben und Lanzarote auch auf dem Landweg erkunden.

Arrecife, ein hübsches kleines Städtchen.

Marokko – eine fremde Welt

Für unseren Sprung über die Strasse von Gibraltar hatten wir mit Absicht einen möglichst windarmen Tag ausgesucht. Diese Wasserstrasse ist nämlich für seine starken Strömungen und Dünung bekannt. Wenn es allerdings Wind hat, besteht immer die Gefahr, dass sich Nebel bildet. Es galt also die Risiken sorgfältig abzuwägen. Wir hatten Glück! Während sich zwischen den beiden Landspitzen Spaniens und Marokkos dichter Nebel bildete, war auf unserem Kurs die Sicht wohl etwas eingeschränkt, wir konnten aber immer gut 5 Meilen weit sehen. Trotzdem war es unheimlich die lauten Nebelhörner der Frachter zu hören ohne sie zu sehen. Wir kamen aber ohne Probleme an allen querenden Frachtern vorbei. Für ein ungutes Gefühl sorgten auch die per Funk eintreffenden Meldungen, dass zwischen Tarifa und Marokkos Nordküste Schlauchboote mit einer grossen Anzahl Personen gesichtet worden seien. Obwohl wir uns nicht in dieser Gegend befanden, war es schon ein eigenartiges Gefühl, das Flüchtlingsproblem mal nicht nur als Meldung im Radio mitzuerleben.

Nach nur 5-stündiger Fahrt erreichten wir Tanger. 25 Meilen Distanz und wir befanden uns in einer ganz und gar anderen Welt!

Die fast fertig gestellte Marina von Tanger.

Es war uns erzählt worden, dass in Tanger eine neue Marina eröffnet habe. Und so machten wir uns auf die Suche und hatten sie auch bald gefunden. Uns war bald klar, warum kein einziges Schiff dort festgemacht hatte: sie ist noch nicht ganz fertig.

Überall in der Stadt wird heftig für die neue Marina geworben!

Wir wurden an eine hohe, recht schmutzige Mole verwiesen, wo wir mit Hilfe des freundlichen Wachpersonals an grossen Pollern festmachen konnten. Die Offiziellen von Polizei und Zoll hatten uns bereits erwartet und kamen an Bord. Danach musste Walti noch mit ihnen ins Büro. Alles in Allem dauerte das Einklarieren gut 2 Stunden, wobei aber alles sehr entspannt und freundlich ablief.

Bei Ebbe mussten wir den Geräteträger als Leiter benutzen um an Land zu kommen!

Der Liegeplatz an der Mole war nicht sehr komfortabel, da es auch hier gut 2 Meter Gezeitenunterschied hatte. So schrammte die Alunga in regelmässigem Abstand die Molenwand rauf und runter. Glücklicherweise hatten wir ein Fenderbrett dabei, das den Rupf gut geschützt hat. An der Mole hatten gerade mal 2-3 Schiffe Platz. Lustig war ja, dass die meiste Zeit, die wir in Tanger verbracht haben, einzig zwei Schiffe unter Schweizer Flagge an der Mole lagen. Hannes und Nicole waren mit ihrer Summertime aus dem Mittelmeer gekommen und auch auf dem Weg auf die Kanaren. Wir verbrachten eine schöne Zeit zusammen.

Zwei Schweizer Schiffe in Tanger.

 

So mieteten wir gemeinsam ein Taxi und liessen uns in „die blaue Stadt“ Chefchouen, nahe dem Rif Gebirge, chauffieren. Für nur 800 Dirham (ungefähr sFr. 80) stand uns Rachid mit seinem grossen und klimatisierten Taxi den ganzen Tag zu Verfügung. Die gut zwei stündige Fahrt nach Chefchouen bot uns einen guten Einblick in dieses schöne, aber sehr trockene und staubige Land. Rachid konnte uns vieles erklären und zeigen. Hier sahen wir auch zum ersten Mal, dass an vielen Orten Schafböcke verkauft wurden und entlang der Strasse wurden Zwiebeln in grossen Mengen verkauft. So eine Art Zwiebele Marit auf marokkanisch. Rachid erklärte uns, dass am 1./2. September das Opferfest gefeiert wird und die Schafböcke dann im Kreise der Familie geschlachtet werden.

Chefchouen, die blaue Stadt.

Der Ort Chefchouen hat uns sehr gut gefallen. Durch die Nähe des Gebirges gibt es dort genügend Wasser und wir schlenderten gemütlich den kleinen Bach entlang, genossen frisch gepressten Orangensaft und verschiedene Früchte. Da wir unseren Ausflug genau an einem der marokkanischen Feiertage unternahmen, mussten wir auch keine Minute befürchten ganz alleine unterwegs zu sein. Trotz des Gedränges in den engen Gassen haben wir jede Minute in diesem hübschen Ort genossen.

 

Auf dem Rückweg nach Tanger schlug Rachid ein Abstecher nach Tétouan vor. Dort spazierten wir bis zum Königspalast und erfuhren, dass der König anlässlich des Feiertages um 20.00 Uhr zu seinem Volk sprechen werde. Leider konnten wir nicht so lange bleiben. Gerne hätten wir diesen Mann gesehen, dessen Hofhaltung mit all seinen Palästen und Bediensteten gemäss Wikipedia rund 960‘000 Euro pro Tag verschlingt, während die Armut des Volkes an allen Ecken und Enden zu sehen ist. Auch gehören dem König diverse Firmen, so u.a. eine Bierbrauerei und ein Weingut in Frankreich, die ihn zu einem der reichsten Herrscher der Welt machen…..

Hinter diesen Mauer liegt einer der Paläste des Marokkanischen Königs.

Uns hat es in Tanger sehr gut gefallen. Die Menschen waren sehr freundlich und hilfsbereit. Obwohl der Hund im Islam als unreines Tier gilt, war auch das Unterwegssein mit Gip überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: oft kamen Leute und fragten, ob sie ein Foto mit dem Hund machen oder ihn streicheln könnten. Gip avancierte zum Selfie-Star und machte gute Miene zum ungewohnten Spiel.

Ein geschäftiges Treiben herrschte in den Gassen.

Ganz besonders angetan war ich von den engen Gassen der Medina (Altstadt) mit den unzähligen kleinen Läden. Überall herrschte ein geschäftiges Gedränge, aber man konnte ganz ungezwungen herumspazieren und wurde nicht auf Schritt und Tritt angesprochen. Auch dem grossen Markt mit einem grossen Angebot an frischen Früchten und Gemüse haben wir manchen Besuch abgestattet.

Frische Früchte wo man hinschaute.

Allerdings galt es dort auch grosszügig über den einen oder anderen Abfallhaufen hinwegzusehen und auch das Riechorgan hatte manche Herausforderung zu überstehen. Ebenfalls ungewohnt war es für uns, dass Hühner direkt am Stand geschlachtet und gerupft wurden.

Der Feta ähnliche Frischkäse schmeckte sehr gut.

Auf jeden Fall wollten wir aber einen der von Bäuerinnen angebotenen Frischkäse probieren. Die Form, in dem der Käse verkauft wurde, wurde durch geflochtene Palmblätter gebildet und der Boden bestand aus einem stark gerippten Palmblatt. Die Käsemasse wird in diese Form gegossen und durch die Rippen kann die überschüssige Flüssigkeit ablaufen. Der fertige Käse roch etwas streng, schmeckte aber sehr gut, so ähnlich wie Feta.

Kurz nach unserem Ausflug brachen Nicole und Hannes Richtung Rabat auf und auch wir nahmen zwei Tage später –nach aufwendigem Ausklarierungsprozedere- die gut 130 Meilen unter den Kiel. Dieser Schlag war sehr anstrengend, da sich mal wieder trotz eher schwachem Wind eine starke Dünung aufgebaut hatte – und dies obwohl wir guten Abstand von der Küste hielten. Unter Deck warf es einem von einer Ecke in die andere. An Schlafen war nicht zu denken und wir waren froh, als am Morgen um 8 Uhr Rabat in Sicht kam. Da wir nicht bei ablaufendem Wasser die eher tückische Hafeneinfahrt in Angriff nehmen wollten, beschlossen wir, zwei Stunden vor der Hafeneinfahrt zu dümpeln und uns weiter durchschütteln zu lassen.

Mitten durch dieses Gewirr verläuft die Hafeneinfahrt!

Als wir die Marina dann anfunkten, bekamen wir die Auskunft, dass wir zwei weitere Stunden warten mussten, bis der Wasserstand eine ungefährliche Einfahrt erlaubte. Dafür wurden wir nach diesen zwei Stunden vor der Hafeneinfahrt vom Marina- eigenen Motorboot abgeholt und sicher durch das Gewirr von Fischerbooten und Schwimmern gelotst. Es scheint hier ein Volkssport zu sein, möglichst dicht vor einem Schiff den Fluss zu durchqueren! Wir mussten am Einklarierungssteg festmachen und wurden wieder von verschiedenen Vertretern von Polizei und Zoll besucht. Als letztes wollte ein Zöllner mit Hund der Alunga einen Besuch abstatten. Das brave Tier weigerte sich aber standhaft über unser hohes Freibord und das Relingsnetz an Bord zu springen. Also machte der Zöllner den Hund kurzerhand am Steg fest und schnupperte selber ein wenig unter Deck herum. Die Stimmung war aber bei allen Kontrollen sehr freundlich und wohlwollend. Das Procedere dauert halt einfach seine Zeit. Endlich konnten wir an den Steg in der modernen, sehr sauberen Marina verholen.

Die Marina liegt im modernen Teil der Stadt.

 

Was für ein Unterschied zu Tanger! Diese Marina hätte genauso gut in irgendeinem europäischen Land sein können. Auffallend waren einzig das viele Wachpersonal, das alle Zugänge, Garagenausfahrten etc. bewachte. Anders als in Tanger sah man hier auch kaum in traditionelle Djellabah’s gekleidete Männer. Alles wirkte sehr offen und europäisch. Natürlich sah man auch hier vereinzelt total verschleierte Frauen, aber die Meisten trugen einfach ein Kopftuch zu westlicher Kleidung. Abends und am Wochenende war das Gebiet der Marina ein beliebtes Ausflugsziel. Viele Menschen flanierten auf dem Quai und besuchten die zahlreichen Restaurants entlang des Quais.

Auch eine Art einen Schafbock zu transportieren!

Inzwischen war es bereits Ende August und das Opferfest kam näher. Jetzt wurden sogar vor dem Supermarkt Schafböcke verkauft und wir konnte manche –uns komisch anmutende- Situation beobachten. So wurden die erstandenen Schafböcke mit allem möglichen transportiert. Auf Handkarren, in den „Motorrad-Lastwagen“, aber auch in neueren Autos schaute plötzlich ein Schafbock aus dem Heckfenster. Einer der Wachmänner hat mir erklärt, dass an Eid-al-Adha (Opferfest) der Bereitschaft Ibrahims seinen Sohn Ismael für Allah zu opfern, gedacht wird. Im letzten Moment hat ein Engel Ibrahim davon abgehalten und ihm dafür einen Schafbock zum Opfern gegeben. Wenn dem einen oder andern diese Geschichte mit anderen Hauptakteuren bekannt vorkommt: im Alten Testament, Buch Moses, ist sie zu finden. Es wäre doch schön, wenn die verschiedenen Religionen sich an dem orientieren würden, das sie verbindet und nicht die Unterschiede hervorheben oder gar andersgläubige bekämpfen würden.

Am Abend des 1. Septembers wurden die armen Schafböcke dann wirklich im Kreis der Familie geschlachtet. Als ich am 2. September mit Gip auf der Morgenrunde durch die engen Gassen der Medina spazierte, waren noch überall Spuren zu sehen: Geschlachtete Schafe hingen in Eingängen und Garagen und auf dem Gehsteig lagen frisch abgezogene Schaffelle. In den Gassen wurden Feuer entzündet und die Knochen und Schädel darauf verbrannt. Noch vor dem Frühstück war das etwas viel für meinen westeuropäischen Magen. Gip hingegen war hin und weg von all den fremden Gerüchen.

Rick’s Café war leider geschlossen.

Eher enttäuscht hat uns ein Ausflug nach Casablanca. Die Reise mit dem Zug war interessant und bot wieder Eindrücke vom Landleben. Die Stadt selber war aber sehr schmutzig und der Trubel wurde uns rasch zu viel. Das aus dem Film Casablanca bekannte „Rick’s Café“ war geschlossen und konnte nur von aussen besichtigt werden. Einzig die imposante Mosche Hassan II. war wirklich sehenswert.

Mosche Hassan II. in Casablanca.

Wie hilfsbereit und freundlich die Menschen waren, zeigt folgende Geschichte sehr gut: Ich bekam Zahnweh und musste notgedrungen im Hafenbüro nach einem Zahnarzt fragen. Die Sekretärin rief die Putzfrau, deren Mann in einer der modernsten Zahnarztpraxen Marokkos arbeitet. Der Mann machte einen Notfalltermin für mich aus, die Putzfrau teilte ihn der Sekretärin mit. Diese wiederum beauftrage den Chauffeur der Marina mich auf dem Schiff abzuholen und in die Zahnarztpraxis zu bringen. Alles völlig kostenlos! Ich bekam innerhalb von drei Tagen eine neue Krone verpasst und mein Zahnweh war weg. Ich war froh, dass ich mich mit einigen Tafeln Schweizer Schokolade (der Zahnarzt braucht ja weiterhin Arbeit) für die Mühen bedanken konnte.

Die Trident 27 von Daniel und Nicole.

Unterdessen waren an unserem Steg auch Nicole und Daniel angekommen. Die beiden jungen Schweizer sind mit ihrem kleinen Trimaran, einer Trident 27, also gerade mal gut 9 Meter lang, aus dem Mittelmeer gekommen und haben tatsächlich die Überfahrt von Faro nach Rabat in einem Schlag bewältigt. Den Mutigen gehört die Welt! Bei einem gemütlichen Glas Bier im Cockpit wurde die Idee eines zweitägigen Ausfluges nach Marrakesch geboren. Da es aber in Marokko nicht möglich ist mit einem Hund im Hotel zu übernachten, blieb ich in Rabat. Bereits die Reise nach Marrakesch war eine Herausforderung: Zugverspätungen und –ausfälle sorgten dafür, dass sie statt der im Fahrplan aufgeführten 5 Stunden fast 9 Stunden dauerte! Aber Marrakesch hat den dreien sehr gut gefallen.

Die Baustelle der neuen Oper.

Während dessen passte ich auf Gip und die Alunga auf und genoss für eine begrenzte Zeit das Alleine sein. Wir waren häufig in der Stadt unterwegs und haben Quartiere besucht, die wir noch nicht gesehen hatten. Es ist unglaublich, wie viel in dieser Stadt gebaut wird! Vor allem rund um die Baustelle der neuen Oper soll ein modernes Quartier, das ein wenig an Dubai erinnert, entstehen. An den Baustellenwänden konnten die zukünftige Stadtansicht bewundert werden. Sicher wäre es interessant zu sehen, wie die Rabat in 10 Jahren wohl aussehen wird…

in diese futuristische Stadt soll sich Rabat entwickeln.
Diese Natelantennen fügen sich bestens ins Stadtbild ein.

 

 

 

Auf keinen Fall vorenthalten möchte ich auch nicht, wie die Marokkaner das Problem mit den Natel-Antennen gelöst haben:

 

 

 

Immer mal wieder…

Und damit ihr nicht denkt, dass wir nichts anderes tun als das Leben zu geniessen: Walti musste die Endkappe des Wärmetauschers nun endgültig auswechseln und hatte mal wieder Gelegenheit kopfüber am Motor zu arbeiten. Natürlich hat ihn seine treue Handlangerin dabei nach Kräften unterstützt.

 

Auch in Marokko lief die Zeit viel zu schnell. Wir waren tatsächlich bereits zwei Wochen in Rabat und es gäbe noch viel zu sehen. Aber es wurde Zeit weiter zu ziehen….

 

 

 

 

 

Portugal (2. Teil) und noch einmal eine Ecke Spanien

Nach den doch eher lauten Tagen in Lissabon freuten wir uns auf ruhigere Tage in der kleinen Stadt Sines. Bereits um 05.30 Uhr legten wir in Lissabon ab. Die Fahrt durch die um diese Zeit sehr ruhige Stadt war herrlich und das ablaufende Wasser sorgte für guten Speed. So waren wir bei Sonnenaufgang bereits wieder draussen auf dem Atlantik. Jetzt hiess es gut aufpassen, da die Fischer unzählige Netze gespannt hatten. Im Zick-Zack Kurs ging es der Küste entlang.

Das Städtchen Sines.

Nach gut 11 Stunden erreichten wir die schöne Bucht, in der Sines liegt. Hier probierten wir zum ersten Mal unseren Anker aus. Bereits beim zweiten Versuch hielt er und wir lagen sicher vor dem schönen Badestrand.

Die schöne Bucht von Sines noch ohne Alunga.

Bereits beim Hineinfahren in die Bucht hatte ich Julios Boot entdeckt, der ganz in unserer Nähe ankerte. Und wirklich, gegen Abend kam Julio vorbei und lud uns zum Nachtessen ein. Gerne nahmen wir die Einladung an. Welche Überraschung: Julio war nicht mehr alleine auf dem Boot. Unterdessen begleiteten ihn drei Frauen, die er alle in Lissabon kennengelernt hatte. Es wurde ein lustiger Abend und vor allem, als die beiden als „Argentinier“ angekündigten Bootsnachbarn eintrafen und der eine uns mit den Worten „ ich hett nid dänkt, dass ich hüt no Züridütsch cha rede“ begrüsste, kannte die Heiterkeit keine Grenzen. Patrick aus Zürich hatte sein Boot in Griechenland gekauft und war zusammen mit seinem argentinischen Freund auf dem Weg nach Nordeuropa.

Der berühmteste Sohn von Sines.

Bei der Ankunft in der Bucht hatte ich nicht nur Julios Yacht gesehen, sondern es war mir auch aufgefallen, dass auf der Hafenpromenade Festzelte und eine grosse Openair-Bühne standen. Sollten unsere Tage in Sines doch nicht so ruhig werden?

Das Musikfestival zog ein buntes Publikum an.

Die ersten drei Tage blieben aber erst einmal recht ruhig. Aber ab Montag begann das alljährliche World Music Festival. Wir waren in Sachen Lärm ja bereits recht abgehärtet und so empfanden wir die nächtlichen Konzerte nicht als besonders störend. Im Gegenteil: wir genossen die multikulturelle, entspannte Atmosphäre, die die bunte Zuhörerschaft ins Städtchen brachte.

Jeden Morgen genossen wir ein Bad im 18° kalte Atlantikwasser und schwammen einmal ums Schiff, bevor wir mit Gip fürs Gassi gehen ans Ufer ruderten. Gerne wären wir noch länger in diesem sympathischen Städtchen geblieben und doch zog es uns weiter südwärts. Also machten wir noch für eine Nacht in der Marina fest um die Batterien und alle elektrischen Geräte zu laden und den Wassertank zu füllen. Am nächsten Morgen erwachte ich mit Halsweh und einem komischen Gefühl im Kopf. Trotzdem begannen wir das Schiff für die Weiterreise vorzubereiten. Aber kurz vor Mittag musste ich dann zugeben, dass es heute wohl nichts wird mit dem Start. Ich musste mich hinlegen, hatte Schüttelfrost und bekam hohes Fieber. Zwei Tag verschlief ich. Dann fühlte ich mich wieder so gut, dass wir die nächste Etappe in die Algarve in Angriff nehmen konnten.

Bei strahlendem Sonnenschein legten wir ab und waren sehr erstaunt, als uns vor der Hafenausfahrt ziemlich dicker Nebel empfing. Glücklicherweise war dieses Phänomen von kurzer Dauer! Nach ca. einer Stunde lichtete sich der Nebel und lediglich ein feiner Dunst blieb zurück. Der Wind war mal wieder nicht sehr beständig und so sorgte der Motor mal wieder zusammen mit den Segeln für den nötigen Vortrieb. Dies änderte sich als wir mitten in der Nacht das Cabo San Vincente erreichten. Der Wind nahm schlagartig von 8 Knoten auf 30 Knoten zu! Wir hatten alle Hände voll zu tun um die Segel zu reffen und den Kurs einigermassen zu halten, da sich auch die Windrichtung drastisch änderte. Der Spuk dauerte eine knappe Stunde und dann war alles wieder wie vor dem Kap. Glücklicherweise waren wir beide auf der Wache, da wir vermutet hatten, dass es in diesem Gebiet zu Wetteränderungen kommen könnte.

Sicht auf die Stadt Portimao.

Vorbei am bekannten Badeorten Lagos erreichten wir Portimao. Da die Algarve für ihre teuren Hafenplätze bekannt ist, ankerten wir auch hier in der grossen Bucht. Wieder liessen wir das Dinghi zu Wasser. Bereits in Peniche merkten wir, dass sich beim Dinghi der Festboden vom Gummiwulst löste und dort Wasser eindrang. Ein Abdichtversuch war nur kurze Zeit erfolgreich und so bekamen wir bei jedem Übersetzen recht nasse Füsse und auch Gip war nicht sehr erbaut, wenn er sich ins Wasser setzen sollte. So machten wir uns in Portimao auf die Suche nach einem neuen Dinghi und hatten tatsächlich Glück.

Ein Schiffszubehörhändler machte uns eine gute Offerte für ein praktisch baugleiches Beiboot. Allerdings mussten wir gut eine Woche darauf warten. Aber es gibt wohl schlechtere Orte um zu warten, als bei herrlichem Sonnenschein in einer schönen Bucht in der Algarve. Wir genossen die Zeit sehr, machten Ausflüge an Land und badeten im nun doch schon etwas wärmeren Wasser. Da man ja nie genug auf dem Wasser sein kann, beschloss ich an einer organisierten Kajaktour entlang der Küste teilzunehmen. Der Start war eine recht feuchte Angelegenheit. Alle Kajaks wurden aneinander gehängt und mit einem Motorboot an den Ausgangspunkt gezogen. Immer wieder stiegen Wellen ins Kajak. Ich und meine englische Mitpaddlerin, aber auch alle andern Teilnehmer waren rasch tropfnass.

Auch konnten nicht alle das Gleichgewicht halten und so kenterte das eine oder andere Kajak. Ab dem Ausgangspunkt paddelten wir dann gut 4 Seemeilen der schönen Steilküste entlang. Spektakuläre Höhlen und Felsdurchbrüche sorgten für den nötigen Adrenalinschub. An einem schönen, nur vom Meer her zugänglichen Strand machten wir eine Pause. Die Organisatoren verteilten Taucherbrillen und Schnorchel und wir konnten die schöne Unterwasserwelt bewundern. Als wir nach gut 5 Stunden wieder in Portimao ankamen, waren wir alle ziemlich erledigt.

Die Ankunft des neuen Dinghis.

Am nächsten Tag konnte Walti endlich das neue Dinghi abholen. Voller Stolz brauste er damit zur Alunga. Am nächsten Tag verholten wir in die Marina. Ich musste endlich mal wieder Wäsche waschen. Der Wassertank musste aufgefüllt und die Batterien geladen werden. Für diese eine Nacht bezahlten wir 62.50 Euro! Mit Abstand der teuerste Hafenplatz bisher.

Da wir uns so langsam sputen mussten, um zum Mitte August geplanten Zeitpunkt, die EU zu verlassen, machten wir uns wieder auf den Weg.

Morgenstimmung in der Ankerbucht bei Faro.

Eine Nacht ankerten wir vor der Ilha da Culatra, bei Faro. Bereits die Einfahrt war spektakulär. Mit 11 Knoten Fahrt spülte uns das auflaufende Wasser in die enge Hafeneinfahrt. Am andern Morgen liefen wir mit zwei weiteren Yachten bei ablaufendem Wasser aus. Wir sahen bereits, dass sich ordentliche Wellenberge vor der Hafenausfahrt türmten. Trotzdem erschraken wir nicht schlecht, als die Yacht vor uns praktisch im Wellental verschwand! Nur noch der Mast war zu sehen. Auch wir tauchten zwei drei Mal heftig ein, dann war der Spuk vorbei.

Die Marina Mazagon.

Den nächsten kurzen Stopp machten wir im schönen Mazagon. Von dort sollte es direkt nach Cadiz weiter gehen. Kurz nach dem Start in Mazagon machte Walter die Entdeckung, dass beim Wärmetauscher Salzwasser in den Motorraum tropft. Da wir nicht sicher waren, ob die Endkappe des Wärmetauschers weiter hält, entschlossen wir uns, den nahe gelegenen Hafen Chippiona anzulaufen. Während Gip und ich die Stadt erkundeten, lag Walti im Motorraum und flickte den Schaden behelfsmässig mit Kabelbindern.

 

Die Einfahrt nach Cadiz.

 

Auch die schöne Stadt Cadiz wäre sicher ein längerer Aufenthalt wert gewesen. Da wir bereits am frühen Nachmittag in der eher unruhigen Marina America mitten im grossen Industriehafen ankamen, konnten wir immerhin das Stadtzentrum mit der schönen Kathedrale besuchen.

Die imposante Motoryacht des saudischen Scheichs.

Wieder einmal war die Alunga mal nicht das grösste Schiff im Hafen. An der Mole bei der Promenade lag das viel bewunderte „Motorboot“ eines saudischen Scheichs.

Die schöne Steilküste vor Barbate.

Nach einem Grosseinkauf brachen wir zu unserer letzten Station auf dem europäischen Festland auf, der kleinen Stadt Barbate, die kurz vor der Strasse von Gibraltar liegt. Auf dem Weg dahin galt es einigen Fischfarmen, Fischschutzgebieten und natürlich den obligaten Fischernetzen und Garnelenfangkörben auszuweichen. Auch die Hafeneinfahrt von Barbate ist trotz Bojen nicht ganz einfach. Bei Nacht möchte ich hier auf keinen Fall einlaufen! Nach einer ruhigen Nacht bereiteten wir uns am nächsten Morgen darauf vor, den europäischen Kontinent zu verlassen.

Portugal (1. Teil)

Der Hafen von Leixoes mit der Marina links in der Ecke.
Die Altstadt Portos mit der Kathedrale.

Leixoes war unser erster Anlaufhafen in Portugal. Die Marina liegt gut geschützt Mitten in einem grossen Industriehafen. Nicht sehr malerisch, aber günstig und das nahe gelegene Porto war einfach mit dem Bus zu erreichen. Auch gab es gleich hinter der Marina einen langen, sehr schönen Sandstrand.

Porto ist eine eindrückliche Stadt. Sehr widersprüchlich; neben wunderschön renovierten und gepflegten Gebäuden finden sich auch Mitten im Stadtgebiet halb verfallene Häuser. Irgendwie machten genau diese Gegensätze den Reiz dieser Stadt aus. Gefallen haben uns auch die Häuser, deren Fassade mit den für Portugal typischen Fliessen (Azulejos) beklebt sind.

Typische mit Azulejos verkleidete Fassade.
Eine der schönen Wände im Bahnhof San Bento.

 

 

Sehenswert war auch der Bahnhof San Bento, auf dessen gefliesten Wänden Szenen aus dem bäuerlichen und militärischen Leben erzählt werden. Zudem konnte Walti mal wieder das „Bahnhof-Feeling“ geniessen.

 

 

Mitten durch Porto fliesst der Douro. Die beiden Stadtteile sind durch eine imposante Brücke miteinander verbunden. Auf der einen Flussseite liegt die Altstadt mit der Kathedrale, auf der anderen das Quartier in dem der Portwein (Porto) hergestellt wird. Eine bekannte Kellerei liegt neben der anderen (Sandeman, Calem, Taylor’s, Kopke, etc.). Natürlich haben wir der einen oder anderen Kellerei einen Besuch abgestattet und uns von der Qualität ihrer Produkte überzeugen lassen. Auf dem Douro kann man noch die kleinen Barken bewundern, mit denen früher der Portwein transportiert wurde.

 

Eigentlich hatten wir geplant, von Leixoes in einem längeren Schlag von gut 180 Meilen direkt nach Lissabon zu segeln. Wir starteten am Samstag gegen Abend und segelten die erste Nacht durch. Da sich der Wind mal wieder nicht an die Vorhersage hielt und wir am Sonntag dem späteren Nachmittag Motoren mussten, beschlossen wir den kleinen Hafen Peniche anzulaufen.

Unsere Mooringboje in Peniche.

Da es am einzigen Gästeponton keinen freien Platz mehr gab, machten wir zum ersten Mal an einer wenig vertrauenserweckenden Mooringboje fest. Das bedeutete aber, dass wir unser Beiboot zu Wasser lassen und Walti bei nun 5 Beaufort Wind mit Gip fürs Gassi gehen ans Ufer rudern musste.

 

 

Gassi-Gehen per Dinghi.

Als wir gerade gemütlich beim Nachtessen sassen, kam eine weitere Segelyacht an. Die Ein-Mann-Besatzung hatte sichtlich Mühe bei dem starken Wind die Mooringboje zu fischen. Als dann auch noch sein Bootshaken ins Wasser fiel, stieg Walti ins Dinghi und half ihm beim Anlegen. So machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit Julio.

Die sehr zentral gelegene Marina Doca da Alcantara.

Am anderen Morgen brachen wir bereits früh auf und nach 12 Stunden erreichten wir die Einfahrt in den Tejo. Schon von weitem konnten wir die grosse Hängebrücke über den Fluss sehen. Dank viel Gegenstrom konnten wir die schöne Fahrt entlang den ersten Sehenswürdigkeiten Lissabons sehr lange geniessen. Schlussendlich passierten wir die Brücke und erreichten die Marina Doca da Alantara.

Liegeplatz mit Aussicht auf die grosse Hängebrücke.

Definitiv kein Ort für Ruhesuchende! Entlang eines nahen Quais hat es Discos und Bars in denen die ganze Nacht Betrieb und laute Musik war. Zudem fahren über die ebenfalls nahegelegenen Brücke Autos und Züge und eine der Anflugschneise des Flughafens führt ebenfalls über dieses Stadtgebiet. Dafür war aber der Bahnhof Alcantara Mar nicht weit entfernt und so das Stadtzentrum und auch der Flughafen sehr gut zu erreichen. Am Donnerstagabend standen wir dann auch in der Ankunftshalle und warteten ungeduldig auf Tom und Tanja.

Blick auf die Altstadt von Lissabon.

Wir verbrachten gemütliche und interessante Tage mit ihnen, erkundeten zusammen die Stadt zu Fuss oder per Tucktuck und führten manche angeregte Diskussion im Cockpit. Während Tom bereits am Sonntag wieder zurück fliegen musste, blieb Tanja noch bis Dienstag.

So steil kann es Mitten in Lissabon sein!

 

 

Am Sonntag machten Walti, Tanja, Gip und ich mitten in Lissabon eine Wald und Steppen-Wanderung.

 

 

 

Und am Montag hatten wir noch Gelegenheit für Mutter-Tochterausflüge. Zusammen besuchten wir den Torre de Belem und eine bekannte Pastel da Nata Bäckerei (Pastel de Nata sind DAS typische portugiesische Gebäck bestehend aus Blätterteig und Vanillepudding. Echt lecker!), den Botanischen Garten und spazierten zur grossen Jesus-Statue, die hoch über dem Tejo wacht.

 

 

Walti und ich haben die Zeit mit unseren erwachsenen Kindern sehr genossen. Es war einfach schön die beiden an Bord zu haben.

Unsere Gastgeber Berith und Bosse.

Gleich nach dem lieben Besuch wartete ein weiteres Highlight auf uns: die Einladung von Bosse und Berith, ein Paar aus Schweden, die nun in Portugal leben. Als wir am Dienstag Tanja zum Flughafen begleiteten, holte uns „Taxi Bo“ am Flughafen ab und brachte uns in ihr schönes Haus nach Foz do Arelho. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und am Abend verwöhnte uns der passionierte Jäger Bosse mit selbst gejagten Elchsteaks vom Grill. Lecker!!

So schön durften wir wohnen!

Wir genossen die gemütlichen Stunden mit diesen beiden herzlichen und interessanten Menschen sehr. Am nächsten Tag machten wir zusammen einen Ausflug in das mittelalterliche Städtchen Obidos. Am Nachmittag badeten wir im Pool und genossen die Zeit in dieser schönen Umgebung.

Bella und Gip gemeinsam am Pool.

Ja, auch Gip hätte eine Gespielin gehabt, die hübsche Mischlingshündin Bella. Aber die beiden gönnten sich meist höchstens snobistische Missachtung. Ausser wenn einer der beiden gestreichelt wurde. Dann bettelte der andere sofort auch um Aufmerksamkeit.

Auch wenn wir die Zeit in Foz do Arelho mit Bosse und Berith sehr genossen, drängten wir zum Aufbruch und die beiden brachten uns wieder zurück in die Marina nach Lissabon.

Dort machten wir uns unverzüglich an die Vorbereitungen für die weiteren Etappen Richtung Süden…

 

Galicien

                                             Von A Coruña bis Baiona

Das beeindruckende Rathaus von A Coruña.

Die Stadt A Coruña mit ihren weiten Plätzen und der eigenwilligen Architektur hat uns sehr gut gefallen. Auch wenn wir im königlichen Yachtclub nicht eben königlich, sondern eher sehr unruhig lagen. Die im hinteren Hafenbecken untergebrachten Fischer- und Pilotboote machten sich wohl einen Spass daraus, den Gästesteg möglichst heftig zum Schaukeln zu bringen. Es kam vor, dass das Boot so heftig tanzte, dass sich Schubladen öffneten und Gläser vom Tisch fielen.

Gip’s tägliches Hundetreffen.

Auch Gip gefiel es in A Coruña. Viele Spanier haben Hunde und so ist das Klima sehr hundefreundlich. Im nahegelegenen Park trafen wir uns am Abend mit anderen Hundebesitzern. Oft waren 12 – 15 Hunde da und tollten friedlich umher. Währenddessen unterhielten sich die Besitzer oder schauten den vielen Fischern am Ende der Mole zu.

Wie an jedem Ort galt es auch hier herauszufinden, wo man was möglichst gut und günstig einkaufen kann. Markthallen aber auch kleinere und grössere Supermärkte boten ein reichhaltiges Angebot. Das Stadtzentrum an sich ist sehr touristisch und war meist sehr voll. Aber wenn man die grossen Einkaufsstrassen mied, fand man immer wieder kleine Parks und ruhige Ecken.

Die Hauptstadt von Galicien ist nicht etwa A Coruña, sondern der bekannte Pilgerort Santiago di Compostela. Wir wollten ergründen, worin die Anziehungskraft dieses Wallfahrtortes, zu dem sich jedes Jahr Tausende von Menschen aufmachen, besteht. Im Gegensatz zu den Pilgern gingen wir nicht zu Fuss, sondern machten uns mit dem Zug auf den Weg. Wir versprachen uns ruhige, besinnliche Momente an diesem religiösen Ort und waren enttäuscht. Überall konnten man Muscheln, Pilgerstäbe oder andere Souvenirs mit irgendeinem Spruch über „el Camino“ kaufen. In allen Gassen wuselten Touristen und Pilger umher, von Ruhe und Besinnlichkeit keine Spur. Was empfinden wohl ankommende Pilger nach den ruhigen Tagen auf der Wanderschaft? Einzig auf dem grossen Platz vor der Kathedrale wo einige neu angekommene Pilger andächtig standen, war eine gewisse Ergriffenheit zu spüren.

Der Sarg des Apostels Jakob.

Die Kathedrale selber war eindrucksvoll und der silberne Sarg des heiligen Apostels Jakob fein gearbeitet. Auf das Umarmen der Jakob Reliquie verzichtete ich angesichts der durch die halbe Kathedrale anstehenden Menschenmenge gerne.

 

 

 

Unzählige Feuer brannten am Strand.

Bereits länger waren uns in den Strassen von A Coruña die bunten, mit Sardinen bedruckten Plakate und Fahnen aufgefallen, die auf das Fest von San Xoan am 23. Juni aufmerksam machten. Offensichtlich ist es Tradition an diesem Tag gegrillte Sardinen zu essen, denn an jeder Ecke wurden diese in rauen Mengen angeboten. Nach Auskunft einer Einheimischen macht sich mindestens die halbe Bevölkerung Galiciens auf den Weg nach A Coruña um dieses an sich religiöse Fest gemeinsam zu feiern. Auch wir machten uns um 22 Uhr auf den Weg zum langen Sandstrand. Es herrschte ein unbeschreibliches Gedränge, sowohl auf der Promenade als auch am Strand selber.

Auch Heissluftballons wurden in den Nachthimmel geschickt.

Mitten in all diesen Menschen wurden Holzhaufen aufgeschichtet, die dann gegen Mitternacht in Brand gesteckt wurden. Mit diesen Feuern aber auch mit unzähligen Heissluftballons, sollten alle Sorgen und schlechten Gedanken verbrannt und in die Luft geschickt werden. Es war ein unglaubliches Bild. Ein riesiges, gut 20 Minuten dauerndes Feuerwerk bildete den Höhepunkt dieses Spektakels. Im Gegensatz zu den Spaniern, die die ganze Nacht durchfeierten, machten wir uns gegen 2 Uhr auf den Heimweg. Wie ihr euch vorstellen könnt, rochen wir wie im Rauch gelagerte Würstchen und mussten all unsere Kleider im Cockpit lassen.

Ein eindrucksvolles Feuerwerk.

In der Marina lag auch die Pandora von Göteborg, eine Halberg Rassy, deren schwedische Besitzer Walti bereits in Cherbourg kennengelernt hatte. Berith und Bosse leben seit bald 1 ½ Jahren in Portugal und waren – mit einigen Problemen – dabei, ihr Schiff von Schweden nach Portugal zu überführen. Wir verbrachten einige gemütliche Abende an Bord unserer Schiffe und die beiden luden uns ein, sie an ihrem jetzigen Wohnort zu besuchen. Aber erst einmal mussten wir ja nach Portugal kommen.

Bei dichtem Nebel kommt die Erica an.

Kurz nachdem auch Mark und Anne mit ihrer SY Erica den Sprung über die Biskaya geschafft hatten und wir sie in A Coruña begrüssen konnten, machten wir uns auf den Weg weiter südwärts.

 

 

 

 

Im Norden Galicien laden zahlreiche Rias (Buchten) zum Erkunden ein und wir beschlossen, in eher kurzen Etappen diese schönen Buchten zu besuchen. In der Ria de Camariña machten wir nicht im gleichnamigen Ort fest, sondern besuchten das gegenüberliegende Muxia. Dort wurde eine grosse Marina gebaut, die jetzt aber fast leer steht, da es die meisten Yachten ins bekanntere Camariña zieht. Heftiger Seitenwind machte das Anlegen zu einem Abenteuer und wir waren froh, dass uns die Hafenmeisterin und ein anderer Segler die Leinen abnahmen.

Der Jakobsweg ist hier allgegenwärtig.

Der Ort selber bietet nicht besonders viel, aber wir haben schöne Spaziergänge gemacht und dabei auch einige wenige Kilometer auf dem hier all gegenwärtigen Jakobsweg zurückgelegt. Zum Abschied schenkte uns die freundliche Hafenmeisterin Pflaumen aus ihrem Garten.

 

Cabo Finisterra

Ein herrlicher Segelwind blies uns mit Delfinbegleitung vorbei am berühmt berüchtigten Cabo Finisterra und weiter in die Bucht von Muros. Irgendwie scheinen wir immer zu ahnen, wann es in einem Ort etwas zu feiern gibt. Kaum hatten wir in Muros festgemacht, waren Böllerschüsse und Trommelklänge zu vernehmen.

Das Fest von San Pedro wird farbenfroh angekündigt.

Hier wurde nach San Xoan während drei Tagen San Pedro gefeiert. Allerdings ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was dies bedeutete: Jeden Tag wurden in unmittelbarer Nähe des Hafens zwei Bühnen aufgestellt auf der regional bekannte Bands auftraten. Die erste spielte mit einigen Dezibel Lautstärke von 22.30 Uhr bis ca. 1 Uhr, die zweite von 1 Uhr bis ca. 5 Uhr in der früh! Während ich in der ersten Nacht dank Ohropax mehr oder weniger gut schlief, stand Walti um 3.30 Uhr auf und mischte sich unter das Partyvolk. In der zweiten Nacht waren wir dann gemeinsam unterwegs und genossen die Konzerte, die ausgelassene Stimmung und das grosse Feuerwerk. Tagsüber mussten wir dann etwas Schlaf nachholen, besichtigen das schöne Städtchen und wanderten auf die umliegenden Hügel, die einen wunderschönen Ausblick über die Bucht boten. Vor der Hardrock-Night am Samstagabend flüchteten wir aus diesem lauten Treiben.

Herrliche Sicht über die Bucht von Muros.
Marina Deportivo in Baiona.

Die letzte Station in Galizien war Baiona, in der Nähe der Stadt Vigo. Eine wirklich wunderschöne Bucht! Leider konnten wir nur eine Nacht bleiben, da unsere Kinder Tom und Tanja uns ab 13. Juli in Lissabon besuchen wollten und der Wetterbericht für die kommenden Tage Starkwind vorhersagte. Also machten wir uns wieder auf den Weg (Fortsetzung folgt …)

Baiona hat so einiges zu bieten.

Biskaya

Der Sprung über die Biskaya mit gut 350 Seemeilen war das bislang längste Teilstück unserer Reise. Wir rechneten mit 3 – 4 Tagen und entsprechend sorgfältig planten wir diese Etappe. Gemeinsam mit der Crew der Erica studierten wir die Wettervorhersagen und legten Freitag, 2. Juni als Abreisetag fest. Alles war vorbereitet und der Hafenplatz bezahlt.

Zu viel Wind für uns!

Bei der Abfrage des aktuellen Wetterberichts am Freitagmorgen mussten wir feststellen, dass die Schlechtwetterfront, die eigentlich deutlich nördlich der Biskaya hätte vorbeiziehen sollen, entschieden hatte, einen Schwenker nach Süden zu machen und ab Sonntag für Starkwind in der Biskaya sorgen würde. Während Anne und Mark von der Erica entschieden, weiter in Camaret auf das nächste gute Wetterfenster zu warten, beschlossen Walti und ich einen Abstecher in die südliche Bretagne zu machen. Bei schwachem Wind starteten wir Richtung Süden. Gemütliches Segeln war angesagt. Aber natürlich hielt sich das Wetter mal wieder nicht an die Vorhersage.

Wieder unterwegs Richtung Süden.

Genau als wir auf das berüchtigte Raz de Sein zu hielten, frischte der Wind auf und wehte nun plötzlich mit 25 bis 30 Knoten. Wir konnten uns davon überzeugen, dass das Reffen mit dem neuen Rigg bedeutend leichter zu bewerkstelligen war. Rasch war das 2. Reff ins Grosssegel gebunden, die Genua weggerollt und die Fock übernahm die Arbeit des Vorsegels. Die Verhältnisse am Raz de Sein sind vergleichbar mit dem Cap la Hague: es treffen hier gegenläufige Gezeitenströmungen aufeinander die das Wasser sehr unruhig und kabbelig machen. Da zum Zeitpunkt der geplanten Durchfahrt die Strömung genau wieder gegen uns stand, entschieden wir, den Raz de Sein westwärts zu umfahren und die schwierige Passage erst beim Leuchtturm Ar Men zu wagen. Wir waren froh, als wir uns nach einer sehr bewegten Fahrt über die Untiefe und zwischen Steinen wieder im tiefen, relativ ruhigen Wasser befanden. Während den letzten Nachtstunden schlief der Wind gänzlich ein, so dass wir die letzten Meilen wieder unter Motor zurücklegen mussten. Angesichts der Tatsache, dass ich auf meiner Wache die Aufgabe bewältigen musste, bei Nacht zwischen der Ile aux Moutons und dem Archipel der Glénan Inseln das tiefe Fahrwasser zu treffen, war mir ganz recht, dass ich nicht auch noch auf die Segelstellung achten musste. Am frühen Morgen machten wir im schönen Städtchen Concarneau fest.

Commisaire Dupin’s Stammlokal.

Wer jetzt denkt: Concarneau, das sagt mir doch was… hat sicher die Bretagne Krimis mit Commisaire Dupin gelesen. Auch Walti und ich liessen es uns nicht nehmen, hier an den Originalschauplätzen einen dieser Krimis zu lesen und genau wie Commisaire Dupin im Restaurant Amiral ein Nachtessen zu geniessen. Wir können bestätigen, dass die Krimis sehr gut recherchiert sind und die manchmal fast kitschig anmutenden Beschreibungen der Landschaft zutreffend und nicht etwa übertrieben sind.

Der Hafen liegt direkt vor der alten Stadtmauer.

Concarneau ist ein schönes Städtchen mit einem mittelalterlich anmutenden, von einer Stadtmauer umgebenen Stadtteil. Allerdings ist dieser eine echte Touristenattraktion und deshalb tagsüber auch sehr gut besucht. Wenn man aber erst am späten Abend und dann ganz alleine in den Gassen spazieren geht, kommt man sich wirklich vor wie ins Mittelalter versetzt.

Auch hier gab es schöne Buchten zu entdecken.

Während der Wind in den ersten Tagen wirklich heftig (8-9 Beaufort) wehte (was waren wir froh, dass wir die Biskaya Überquerung verschoben hatten!), schlief er für die nächsten Tage fast gänzlich ein. 10 Tage haben wir in Concarneau auf ein gutes Wetterfenster gewartet! Allerdings wurde es uns nicht langweilig: die Umgebung lud zu langen Wanderungen und Velotouren ein und auch im Städtchen selbst gab es so einiges zu entdecken.

Aber endlich: am 12. Juni war es soweit. Der Wetterbericht versprach moderate Winde aus Nordwest bis Nord und wir nahmen Kurs auf A Coruña. Wir waren gespannt auf das Abenteuer 3-4 Tage unterwegs zu sein. Unser Wachplan, der am Tag 4- und während der Nacht 3-stündige Wachen vorsah, trat in Kraft und rasch entwickelte sich eine Routine.

Bald schon war kein Land mehr zusehen, rund um uns der weite, hier immerhin über 4000 Meter tiefe Atlantik. Wir genossen das Segeln bei herrlichem Sonnenschein. Immer wieder begleiteten uns Delfine und spielten eine Weile in unserer Bugwelle. Walti konnte auf einer seiner Nachtwachen ein ganz besonderes Schauspiel beobachten: fluoreszierendes Plankton umgab die Delfinkörper und brachte sie zum Leuchten! Zusätzlich zogen die Delfine einen 5 – 6 Meter langen, leuchtenden Schweif hinter sich her. Magische Momente!

Einer unserer Begleittrupps.

Einer meiner eindrücklichen Momente auf der Wache: Wir segeln die dritte Nacht in Folge durch. Es ist 6 Uhr früh. Vor einer Stunde habe ich Walti abgelöst, der jetzt friedlich auf dem Salonboden schläft. Ich sitze im Cockpit und bin erstaunlicherweise kein bisschen müde. Noch ist es ziemlich dunkel, die Delfine höre ich schnaufen und ab und zu einen Platscher, wenn sie aus dem Wasser schnellen. Über mir der Sternenhimmel. Während sich der Himmel südwärts noch in dunklem Grau zeigt, färbt sich der Himmel im Osten bereits leicht Orange. Die Sonne geht auf! Solche Augenblicke sind es, die das Segeln so unvergleichlich machen!

 

Leider wehte der Wind auf der Überfahrt nicht sehr beständig. Von 4 bis 20 Knoten reichte die Bandbreite. Wenn der Wind mit < als 6 Knoten weht, bewegt sich die 17 Tonnen schwere Alunga praktisch gar nicht. Da wir uns vorgenommen hatten, den Motor für die Überfahrt so wenig wie möglich zu benutzen, konnten wir uns in Geduld üben. Auch war sorgfältiges Steuern angesagt, damit es wenigstens mit 3 Knoten (immerhin gut 5 Stundenkilometer) vorwärtsging…. Manchmal mussten wir aber auch die Segel bergen und auf etwas mehr Wind warten. Als aber nach drei Tagen unterwegs der Wind fast gänzlich einschlief und wir ausrechnen konnten, dass wir bei diesem Tempo noch einmal mindesten zwei Tage unterwegs sein würden, warfen wir unsere guten Vorsätze über Bord und den Motor an und legten die letzten 60 Meilen unter Motor zurück.

DerTorre del Hercules.

Nach fast 80 Stunden auf See erblickten wir einen der ältesten und höchsten Leuchttürme Europas: den Torre del Hercules, ein Wahrzeichen von A Coruña. Das Meer vor der Küste war sehr bewegt und kabbelig. Der Meeresboden steigt hier in wenigen Meilen von gut 4000m auf 150m an, was zu einem erheblichen Schwel führt. Müde aber zufrieden mit unserer Leistung machten wir am Donnerstagabend standesgemäss in der Real Marina (königlicher Hafen) von A Coruña fest.

Die Alunga mit prominenter Nachbarschaft.
Gip in seiner Kiste.

 

Vielleicht fragt sich der eine oder andere, wie es denn Gip auf diesem langen Trip ergangen ist. Wie üblich lag er die meiste Zeit in seiner Kiste im Cockpit. Er war nicht dazu zu bewegen unter Deck zu schlafen. Während den Nachtstunden haben wir ihn jeweils zugedeckt. Während der ganzen Zeit hat er nur zwei Mal gepinkelt. Dabei hat er sich ans Relingsnetz gestellt und versucht, über Bord zu pinkeln. Er war aber fit, hat sich bei ruhigem Wetter auch an Deck bewegt und hat normal gefressen, sich dabei aber kein einziges Mal versäubert. Das macht uns etwas Sorgen, denn auf noch längeren Überfahrten könnte das ein Problem werden. Wir werden uns auf jeden Fall bei Fachleuten erkundigen, was wir tun können.

Jetzt geniessen wir aber erst einmal das sommerlich warme A Coruña.

Wo wird uns der Wind wohl noch hin wehen?

Absprung geschafft – wir sind in der Bretagne

Cherbourg verschwindet am Horizont.

Auf den Tag genau 9 Monate nach dem Mastbruch warfen wir am Sonntag 21. Mai um 6 Uhr in der Früh die Leinen im Port Chantereyne in Cherbourg los und nahmen wieder Kurs auf das Cap La Hague. Unser Ziel war das rund 170 Meilen entfernte Camaret-sur-Mer, nahe Brest in der Bretagne. Ich war ganz selten derart nervös vor einem Start und so war es mir ganz recht, dass für die ersten Stunden nur wenig Wind vorhergesagt war und wir den Motor zu Hilfe nehmen mussten.

Unruhiges Wasser am Cap de la Hague.

Es war herrliches Wetter und das Meer spiegelglatt. Das änderte sich schlagartig als wir zum Cap La Hague kamen. Es war beeindruckend wie das Wasser hier auch bei diesen ruhigen Verhältnissen und moderaten Gezeitenströmungen brodelte und kochte! Wir waren beide froh, als wir die Passage hinter uns hatten und auch meine Nervosität legte sich so langsam und ich begann unseren Trip zu geniessen. Da der Wind etwas zulegte und uns auch der Gezeitenstrom gut gewogen war, konnten wir die Segel hissen und gemütlich zwischen den Kanalinseln Alderney und Guernsey durchsegeln. Irgendwann war es dann soweit: zum allerersten Mal sahen wir kein Land mehr. Um uns herum nur Wasser… es war ein gutes Gefühl.

Unser blinder Passagier.

Doch was war das plötzlich für ein komischer Schatten auf unserem Verdeck? Eine völlig erschöpfte Taube hatte sich an Bord der Alunga geflüchtet und liess sich ein Stück mitnehmen. Walti päppelte sie mit Wasser und einigen Körnern auf, was aber auch ihre Verdauung aktivierte… Nachdem er ihr eine längere Erholungspause gegönnt hatte, gelang es Walti nur mit Mühe die Taube zum Weiterfliegen zu animieren.

In der Zwischenzeit war es dunkel geworden und wir wechselten uns im drei Stunden Rhythmus ab mit Wache gehen. Es war schon ungewohnt um 23 Uhr bei völliger Dunkelheit meine Wache anzutreten, aber bald schon konnte ich den Sternenhimmel geniessen und in der Ferne sah man auch bereits die Lichter von Roscoff an der bretonischen Küste.

Immer wieder geht die Sonne auf.

Am meisten begeistert hat mich aber das Aufleuchten von Plankton im Meer. Es sah aus wie wenn sich immer wieder mal hunderte von Glühwürmchen ums Boot tummeln! Rasch waren die drei Stunden um und Walti löste mich ab. Und bald ging auch schon wieder die Sonne auf… Nachdem die letzten Male der Wind stärker war als vorhergesagt, revanchierte er sich diesmal mit moderatem bis schwachem achterlichem Wind. Da dem eine rechte Dünung entgegenstand, mussten wir immer mal wieder mit dem Motor nachhelfen um Vorwärtszukommen.

Nach knapp 34 Stunden hatten wir es geschafft: wir legten in Camaret-sur-Mer an. Gip hat wieder die meiste Zeit in seinem festgezurrten Kistchen verbracht. Allerdings wurde er mutiger und machte auch von sich aus eine Runde an Deck. Auch das an die Fender Pinkeln hat geklappt. Schön ist auch zu beobachten, dass er nach dem Anlegen zwar gerne an Land geht, aber auch ohne Probleme wieder an Bord zurückkehrt. Auch er fühlt sich auf der Alunga zu Hause.

Zahlreiche Steinmannli verzieren die Hafenmauer.

Was für ein Unterschied zum städtischen Cherbourg! Camaret-sur-Mer ist ein kleiner, gemütlicher Hafen in einem von Touristen gut besuchten Dorf. Eine der oft fotografierten Attraktionen auf der Hafenmole sind die zahlreichen Steinmännchen, die dort von den Passanten aufgebaut werden.

Rund um das Hafengelände laden Küstenwanderwege zum Erkunden ein.

Wanderwege auf den Klippen.

Natürlich mussten wir gleich die Klippen besteigen. Welche Aussichten boten sich da: dicht bewachsene Matten, schroffe Klippen, Felsen im Meer, herrlich. Gip musste ziemlich schmerzhaft erfahren, dass nicht alles was wie Gras ausschaut auch Gras ist!

Braucht keine Worte.

Übermütig jagte er ein paar Vögeln nach und merkte erst einige Meter im Grün, dass es sich um jungen Stechginster handelte! Nachdem wir ihn vorsichtig auf den Weg zurück gelotst hatten, verliess er diesen nicht mehr. Oben auf den Klippen zeugen zerstörte Befestigungsanlagen und etliche Bombenkrater von den heftigen Kämpfen, die während dem Zweiten Weltkrieg dort getobt haben müssen.

 

Für den zweiten Ausflug nahmen wir die Fahrräder und fuhren zu einer schön gelegenen Bucht. Es war sonnig und heiss. Wir genossen einen Nachmittag am Strand und zum ersten Mal in diesem Jahr ein Bad im kühlen Atlantikwasser.

Diese Bucht war das Ziel der Velotour.

 

Die wohlverdiente Rast.

Eine längere Wanderung unternahmen wir zusammen mit Anne und Mark von der Erica. Die beiden lagen auch länger in Cherbourg und kamen zwei Tage nach uns in Camaret an. Anne und Mark planten die Wanderroute anhand einer Karte aus dem Tourist Büro und führten uns zielgerichtet auf einen Wanderweg.

Eine der vielen Orchideenarten.

Der wunderschöne Weg führte durch dichte Wäldchen und dichte Hecken, vorbei an zahlreichen Orchideenarten, aber überhaupt nicht an unser Ziel. Wir erreichten die Küste an einem ganz anderen Ort als geplant! Nach knapp 5 Stunden waren wir dann aber auch wieder in Camaret.

 

Während wir hier auf guten Wind für den Sprung über die Biskaya warten, besteht unser Leben nicht nur aus Ausflügen und Besichtigungen: immer wieder fallen auch Arbeiten an. So hat Walti den Dieselfilter gewechselt und es ist ihm gelungen eine mechanische Werkstätte zu finden, die die beiden Bolzen, die am neuen Bugspriet noch fehlten, herstellen konnten. Nun können wir bei Leichtwind unseren Gennaker (grosses buntes Vorsegel aus leichtem Stoff) setzen.

Arbeiten macht Spass.

Währenddessen habe ich wieder einmal das Relingsnetz angebracht, damit Gip zukünftig besser geschützt seine Runden an Deck machen kann wenn wir unterwegs sind.

Das Unterwasserschiff ist wieder algenfrei!

Walti hatte festgestellt, dass sich an unserem Ruder so langsam ein ganzer Algenwald bildete. Da er schon lange unseren Freediver (dieser erlaubt das Atmen unter Wasser ohne Pressluftflasche) ausprobieren wollte, benutzte er heute die Gelegenheit zu einem ausgedehnten Bad im Hafenwasser. Dank der Gezeiten wird das Wasser im Hafen zweimal pro Tag ausgewechselt und ist darum auch nicht eklig. Jetzt ist das Unterwasserschiff also wieder sauber und wir wären bereit abzulegen. Nun fehlt nur noch der richtige Wind…. Ich hoffe, dass der nächste Bericht bereits weiter südwärts entstehen wird.

 

Wieder ein Segelschiff!

Ja, in den letzten vier Wochen hat sich einiges getan und die Alunga erstrahlt schon fast wieder in alter Schönheit! Aber eben nur fast…Der aufmerksame Beobachter hat aber sicher sofort bemerkt, dass die Rollanlage der Fock (2. Vorsegel) noch leer ist. Die Fock wurde bereits geliefert, war aber bedeutend kleiner geschnitten als vereinbart. Dafür ist aber die Persenning für das Grosssegel im wahrsten Sinne des Wortes gross ausgefallen und muss ebenfalls noch einmal angepasst werden. Also üben wir uns weiterhin in Geduld. Da es im Moment wohl meist sonnig aber auch recht kalt ist, fällt uns das Warten gar nicht mal so schwer.

Mit Ursula und Hans am Cap Lévy.

Vor allem weil wir in der Zwischenzeit auch noch lieben Besuch aus der Schweiz begrüssen konnten. Hans, ein ehemaliger Arbeitskollege von Walter, kam mit seiner Frau Ursula Anfang April für eine Woche nach Cherbourg. Über diesen Besuch waren wir doppelt froh, da die beiden mit dem Auto einen Teil unseres Gepäcks aus der Schweiz mitbrachten. Wir hätten wirklich nicht gewusst, wie wir eine weitere grosse Reisetasche und zwei Säcke mit Hundefutter auch noch mit dem Zug nach Cherbourg hätten transportieren können. Bevor wir aber Besuch beherbergen konnten, musste erst einmal die Vorkoje von allem Werkzeug befreit und alles wegeräumt werden. Aber pünktlich zur Ankunft unserer Gäste war der Salon der Alunga durchaus präsentabel. Da das Werkzeug weggeräumt war, konnte Walter nicht an der Alunga arbeiten und so verbrachten wir eine gemütliche Woche mit den beiden. Ausflüge führten uns zum wildromantischen Cap Lévy und ins kleine Städtchen Barfleur an der Ostküste der Manche.

 

Der Fischreichtum im Hafenbecken hat einen Seehund angelockt.

Kaum hatten uns unsere Gäste verlassen, entdeckte ich überraschend einen neuen Gast im Hafenbecken. Ein kleiner Seehund erfreute uns mit seiner drolligen Art. Der grosse Fischreichtum hat ihn offenbar angezogen. Für einige Tage zeigte er sich immer mal wieder, spielte mit den erbeuteten Fischen und betrachtete neugierig seine Zuschauer. Ein schönes Schauspiel. Leider blieb er nur wenige Tage hier.

Tanja und Gip geniessen die warmen Tage.

Am Karfreitag kam meine Tochter Tanja nach Cherbourg und verbrachte die Ostertage bei uns. Gemeinsam unternahmen wir Velotouren an die umliegenden Strände, obwohl es zum Baden definitiv zu kalt war. Am Ostermontag besuchten wir gemeinsam mit John und Jan, Engländer, die ebenfalls im Port Chantereyne überwintert haben, die Trabrennbahn.

Mit Tanja, John und Jan am Trabrennen.

Das Wettfieber griff um sich. Während Jan vom Glück begünstigt war, erwiesen sich unsere Auswahlkriterien (der Jockey mit dem hübschesten Dress, das Pferd mit dem auffallendsten Zaumzeug oder dem lustigsten Namen…) für den Wetteinsatz als wenig erfolgsgekrönt. Dank der geringen Wetteinsätze hielt sich auch der Verlust in überschaubarem Rahmen und unterhaltsam war es allemal. Als Abschluss dieses gelungenen Tages sind Walti, Tanja und ich von La Glacerie zurück in den Hafen gewandert.

Heute möchte ich euch ein bisschen Geschichte näher bringen und euch etwas über den Hafen der schönen Stadt Cherbourg erzählen.

Der frühere transatlantische Hafenbahnhof von Cherbourg.

Von der glanzvollen Vergangenheit Cherbourgs als transatlantischer Hafen zeugt der ehemalige transatlantische Bahnhof. Vom dahinterliegenden Quai starteten unzählige Schiffe nach Übersee. Unter anderem machte auch die Titanic auf ihrer verhängnisvollen Jungfernfahrt im April 1912 hier fest. Heute ist Cherbourg eine häufige Destination von Kreuzfahrtschiffen. 2017 sollen rund 34 dieser Ozeanriesen hier anlegen. Darunter auch die Queen Mary 2.

Der Hafenbahnhof wird seit langem nicht mehr für den Schienenverkehr genutzt und beherbergt seit 2002 das sehenswerte Musée Cité de la mer http://www.citedelamer.com .

Die grösste, künstlich angelegte Hafenanlage Europas findet man in Cherbourg.

Cherbourg rühmt sich die grösste künstlich erbaute Rade (geschütztes Hafengebiet) Europas zu besitzen. Die strategisch günstige Lage zu England, mit dem sich Frankreich in der Geschichte ja immer mal wieder kriegerisch auseinandersetzte, führte dazu, dass bereits Louis IVX. die Planung einer Hafenanlage in Auftrag gab. Aber erst 1783 wurde mit dem Bau des 4 Kilometer langen Mitteldammes begonnen. Lange Baustopps und technische Schwierigkeiten führten dazu, dass die insgesamt immerhin 6 Kilometer langen Dammanlagen erst 1895 fertiggestellt und feierlich eingeweiht werden konnten. Die kleine Rade (siehe Plan) wurde sogar erst 1914 fertig.

So bekommt man einen Eindruck der Grösse des Port Chantereyne. Die Alunga liegt beim gelben Pfeil…..

Innerhalb dieser kleinen Rade liegt einerseits ein riesiges militärisches Sperrgebiet aber auch der Fährhafen und eben auch der Port de Chantereyne, in dem wir liegen. Die Hafenanlage ist wirklich sehr weitläufig. Dazu kommt, dass wir an einem der langen Stege ganz aussen liegen, was ich auf dem Plan mit einem gelben Pfeil markiert habe. Man kann sich leicht ausrechnen, dass ein Toilettenbesuch im ca. 1 Kilometer entfernten Sanitärgebäude frühzeitig geplant werden muss…

Der lange Steg zu unserem Liegeplatz Nr. F 102…

Dafür haben wir freie Sicht auf alle ein- oder auslaufenden Schiffe und dem damit verbundenen Hafenkino. Im Gegenzug sorgen die vorbeifahrenden kleinen Fischerboote mit unnötigem Gas geben für Bewegung auf dem Schiff. Wir haben hier viele nette Bekanntschaften gemacht und fühlen uns in diesem quirligen Hafen sehr wohl. Trotzdem: es wird Zeit weiterzuziehen, bevor die Wurzeln zu lang werden.

Wir sind wieder da!

Hurra! Ich konnte die Fotos hochladen!

Die Einheimischen erzählen, dass der letzte Winter ungewöhnlich kalt, nass und windig war und es selten so viel Nebel gegeben habe. Glücklicherweise hatteniwir entschieden, diese unfreundliche Zeit nicht hier in Cherbourg zu verbringen. Wir haben die Alunga für gut zwei Monate allein gelassen und sind in die Wärme geflogen. Seit gut einer Woche sind wir nun wieder hier. Aber ich berichte wohl besser der Reihe nach:

Die Alunga erhält den neuen Mast.

Im letzten Bericht hatte ich ja noch erzählt, dass unser neuer Mast geliefert wurde. Am 15. Dezember wurde die Alunga eingewassert und am 20. Dezember am späten Nachmittag wurde der Mast endlich gestellt. Der Plan war, das Schiff anschliessend wieder an Land zu stellen. Bereits während dem Einwassern wurde aber klar, dass für ein Auswassern nach dem Maststellen am Heck alle hohen Geräte wie Radar, Windgenerator, etc. demontiert werden müssten. So entschieden wir, die Alunga auch während unserer Abwesenheit im Wasser zu lassen.

Da ich bereits seit langem in der Schweiz einen Arzttermin vereinbart hatte, Walti aber noch die Arbeiten am Mast überwachen wollte, machte ich mich am 21. Dezember alleine mit Reisetasche, grossem Rucksack und Gip auf den Weg in die Schweiz. Walti folgte einen Tag später, so dass wir die Festtage gemütlich mit unserer Familie verbringen konnten. Den Geburtstag von meinem Schwiegervater Sepp feierten wir zusammen mit Waltis vier Schwestern samt Ehemännern in einer Ferienwohnung in Morschach. Während den vier Tagen schneite es fast ununterbrochen, so dass viel Zeit blieb um zu jassen und zu plaudern.

Ich weiss, im ersten Abschnitt habe ich verkündet, dass wir in die Wärme geflogen seien und bis jetzt schreibe ich nur vom Aufenthalt in der winterlichen Schweiz… Nur Geduld: am 16. Januar war es soweit: pünktlich hob der Airbus 380 der Singapore Airlines in Kloten ab und brachte uns nach Singapur. Nach kurzem Zwischenstopp ging es weiter. Nach langen 23 Stunden erreichten wir schliesslich Sydney.

Das wohl bekannteste Opernhaus der Welt.

Der Temperaturunterschied hätte kaum grösser sein können: 4° in Kloten am späten Vormittag, 29° in Sydney um 21 Uhr abends! Nach einer Nacht im flughafennahen Hotel bestiegen wir den Zug nach Leura in den Blue Mountains. Dort wurden wir von Waltis Cousine Lisbeth abgeholt. Bei ihr und ihrem Mann Roland durften wir 5 ½ Wochen wohnen. Leura liegt rund 1000 m.ü.M. mitten im Blue Mountain National Park. Es ist umgeben von unendlichen Eukalyptuswäldern. Die ätherischen Öle die bei heissem Wetter aus diesen Wäldern aufsteigen und die Luft darüber bläulich färben, gaben diesem National Park den Namen.

Die Blue Mountains mit ihren unendlichen Eukalyptuswäldern.
Ein Gelbhaubenkakadu sitzt im Garten.

Bereits am ersten Morgen machten wir Bekanntschaft mit den Radaubrüdern unter den australischen Vögeln. Die Cockatoos sorgen bereits ab dem ersten Tageslicht dafür, dass nicht zu lange geschlafen wird. Vor diesen Schlingeln ist wirklich nichts sicher: sie knabbern Dächer und Holzfassaden an und versuchen auch immer wieder an die Äpfel unter dem schützenden Netz zu kommen. Trotzdem war es herrlich diese Vögel, die man bei uns höchstens im Zoo bewundern kann in freier Wildbahn zu beobachten. Aber auch die bunten Rosellas und die mit der europäischen Elster verwandten Macpies besuchten den Garten und der Kookaburra lies sein Gelächter ertönen.

 

 

 

Von Leura aus machten wir zahlreiche Ausflüge. Glücklicherweise ist der öffentliche Verkehr in Australien sehr günstig. Gleich nach unserer Ankunft kauften wir die Opal-Karten. Diese konnten wie Kreditkarten aufgeladen werden. Bei jedem Besteigen des Zuges, Busses oder Fähre musste eingecheckt und beim Verlassen wieder ausgecheckt werden. Im Tag wurde nicht mehr als 15 Dollar (ca. 12 Fr.) abgebucht, egal wie weit man fuhr. Unzählige Male sind wir von Leura die zwei Stunden nach Sydney gefahren. Eine wunderschöne Stadt! Für Walti war es ein Wiederentdecken nach gut 30 Jahren. Er hatte ja während 4 Jahren in Australien, davon 1 ½ Jahre in Sydney gelebt. Viele schöne Erinnerungen wurden wach.

 

 

Natürlich haben wir die bekannten Sehenswürdigkeiten wie Opern House, Harbour Bridge oder Darling Harbour besucht. Aber vor allem hat es uns die Fährenfahrt vom Circular Quay vorbei am Nordhead nach Manly angetan. Vom Fahrterminal wanderten wir vorbei an der bekannten Manly Beach mit seiner grossen Brandung zur ruhigeren Shelly Beach wo wir manchen Nachmittag mit Baden und Schnorcheln verbrachten.

Den Australien Day verbrachten wir auf der Pferderennbahn Randwick. Leider hatten wir beim Wetten kein Glück. Am Abend ergatterten wir einen Liegestuhl direkt vor dem Opernhaus von dem aus wir das grosse Feuerwerk bestens beobachten konnten.

Aussicht vom Sydney Tower auf Darling Harbour und den Parramatta River.

Ganz sicher ein Highlight war der Abend im Sydney Tower. Waltis Sohn Tom hatte uns zu Weihnachten ein Nachtessen in diesem Drehrestaurant geschenkt. Da dieses sehr gut ausgebucht ist, mussten wir den Tisch bereits zwei Wochen im Voraus buchen. Wird das Wetter mitmachen? Wir hatten Glück: an einem wunderschönen Sonntagabend liessen wir uns gemeinsam mit Lisbeth und Roland mit dem Expresslift auf die Aussichtsplattform fahren. Wir genossen die herrliche Aussicht, den sehr aufmerksamen Service und natürlich das gute Essen. Tom, dir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank für diesen unvergesslichen Abend!

Manchmal haben wir nicht den ganzen Weg von Leura nach Sydney mit dem Zug zurückgelegt. Es gab die Möglichkeit in Parramatta auszusteigen und von dort mit der Fähre über den Parramatta River, vorbei an Mangroven, zum Circular Quay zu fahren.

Hier hat Walti gearbeitet.

Eine schöne Abwechslung. Eine Haltestelle auf dieser Fahrt war das Cockatoo Island. Auf dieser ehemaligen Werft hatte Walti während seinem Aufenthalt in Sydney gearbeitet. Heute kann diese Insel als UNESCO Weltkulturerbe besichtigt werden und man kann sogar für viel Geld in Militärzelten auf Feldbetten übernachten. Natürlich habe ich mir von Walti alles zeigen lassen.

Die HMS Onslow liegt im Marine Museum in Darling Harbour.

Er hat dort am Refit von australischen U-Booten gearbeitet. Der Zufall wollte es, dass wir beim späteren Besuch des Maritim Museums in Sydney die HMS  Onslow, ein U-Boot der Oberon-Klasse, besichtigen konnten. Genau auf diesem U-Boot hatte Walti damals gearbeitet! Was für eine schöne Erinnerung.

Wir besuchten aber nicht nur die Grossstadt Sydney. Der Blue Mountain National Park bietet auch jede Menge Möglichkeiten für Bush-Walks.

… und immer wieder läuft Wasser über Steine…..

Waltis Definition eines Bush-Walks lautet: man steigt unzählige, zum Teil in Fels gehauene Treppenstufen hinunter, durchquert viele Kilometer Eukalyptuswald, sieht überall mal wieder Wasser über Felsen laufen und muss dann wieder unzählige Treppenstufen hinaufklettern….. Ganz unrecht hat er ja nicht, aber es gibt unglaublich viel zu beobachten: riesige Baumfarne, kleine Bächlein, Vögel, Echsen, und und…

Riesige Baumfarne

Mir haben diese Touren sehr gefallen. Die längste habe ich ganz alleine unternommen: es ging 750 Treppenstufen hinunter und wieder 750 hinauf und dabei sind nur die gezählt, die praktisch zusammenhängend zu bewältigen waren. Zugegeben ich habe nachher Muskeln an Stellen gespürt, an denen ich nie welche vermutet hätte… Ich war früh aufgebrochen, denn ich wollte endlich ein Foto eines Lyrebirds schiessen. Ich habe auch tatsächlich 6 Exemplare dieser scheuen Vögel gesehen aber entweder waren sie weg bevor ich sie fotografieren konnte oder sie positionierten sich geschickt vor einem braunen Hintergrund und waren kaum zu erkennen….

 

Der Blue Lake bei den Jenolan Caves.

Zusammen mit Lisbeth und Roland machten wir auch Ausflüge in die Umgebung. Einer führte uns vorbei an den Jenolan Caves in die ehemalige Goldgräberstadt Hill End. Welch ein Unterschied zu den Eukalyptuswäldern! Dort war es unglaublich trocken und staubig. Verdorrtes Gras und Buschland dominierten.

 

 

 

Eine weitere Tour führte uns in den grünen Südosten von New South Wales. Vorbei am an der Küste liegenden Kiama ging es durchs Kangaroo Valley. In der gleichnamigen Ortschaft wurde mit grossem Plakat angekündigt, dass heute die Kangaroo Valley Show stattfindet.

Alles wurde bewertet und prämiert.

Das mussten wir doch sehen. Zum einen war es eine Art Hobbyausstellung mit Bewertung. Man konnte sich in unzähligen Kategorien mit differenzierten Kriterien dafür anmelden. Das ging von Backwaren, über Gemüse und Früchte, Honig, Konfitüre aber auch Gestricktes und Gehäkeltes, Patchwork, Kleintiere wie Hühner, Enten, Hasen usw.

Die Stars beim Ferkelrennen.

Daneben fanden lustige Wettbewerbe statt: Mannschaften mussten möglichst schnell einen Pick-up über eine gewisse Distanz ziehen, Schafe wurden geschert und es gab sogar ein Ferkelrennen.

Die Ironman am Werk.

Beim Ironman Wettbewerb ging es darum, an einem Baumstamm mit der Axt Kerben einzuschlagen damit ein Brett nach dem andern hineingesteckt werden konnte. Über diese Bretter ging es bis hoch hinauf. Oben auf dem Stamm war ein weiteres Stück Baumstamm angebracht, das mit der Axt gefällt werden musste. Am Abend hätte auch noch ein Rodeo stattgefunden, aber wir mussten zu unserer Übernachtungsmöglichkeit auf einem Campingplatz weiterfahren.

Wir haben wirklich viel erlebt in Australien. Ich könnte noch lange weitererzählen, z.B. von unserem gelungenen Abend am Konzert einer tasmanischen Hillbilly Band, usw… Aber der Bericht ist doch schon recht lange geworden….

Alles hat ein Ende….

Etwas sehr erfreuliches möchte ich euch aber nicht unterschlagen: Da sich die Bearbeitung unseres Schadensfalles hinzog, hatten wir mit der Murette Versicherung einen Termin vereinbart. So reisten wir einen Tag vor unserer Abreise nach Cherbourg nach Bern. Das Gespräch verlief sehr erfreulich. Der Schaden am Mast wird zum grössten Teil von der Versicherung gedeckt! Das wir in Bern auch noch Gelegenheit hatten, Gesina und Leo (sie waren 5 Jahre mit der Seluna unterwegs und sind die Autoren des Buches „Weltbesegelung jetzt“) mit ihrer Tochter Maheata zum Mittagessen zu treffen, hat den Tag perfekt gemacht.

Während wir unterwegs waren, lag die Alunga gut vertäut und bestens überwacht von Helen und Hansueli von der Dada Tux im Hafen von Cherbourg. Eigentlich sollten die Arbeiten am Mast und den Segeln bis zu unserer Rückkehr grösstenteils abgeschlossen sein. Aber eben…. Der Mast steht, das Grosssegel ist angepasst und montiert, die Genua ist geflickt und ebenfalls montiert. Es fehlt aber immer noch einiges. Wir bleiben also noch ein Weilchen hier in Cherbourg. Glücklicherweise ist es an den Tagen an denen die Sonne scheint, schon recht frühlingshaft. Die Osterglocken, Kamelien und die Magnolien blühen. Und auch die Arbeit geht uns ja nicht aus. So werkelt Walti wieder fleissig jeden Tag an der Verbesserung unserer Alunga.